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28.08.1999
Was Sie nicht im Seminar lernen … Focuslese Focus hat 100.000 neue Leser, Markwort sogar 100.001. Denn P-Connex hat sich sein Tagebuch 31/99 angetan, um dem akademischen Nachwuchs zwei Mängellisten an die Hand geben zu können: Sudelei und Politstuß. 1. Begräbnisdiplomatie a) Sudelei Erfreut registrieren wir Focus freut sich nicht nur über Leser, sondern auch - ehrlich! - über jede gute Nachricht daß bei der Beerdigung des marokkanischen Königs …. Algeriens Präsident… und Israels Premier… miteinander gesprochen haben. Die historische Begegnung da schmiert ein Pressefritze die Geschichtsbücher kommender Jahrhunderte beweist das Phänomen Begräbnis-Diplomatie. Wie erfreulich und historisch auch immer, der Vorgang selber interessiert schon nicht mehr. Jetzt geht es nur mehr ums fabula docet, zu deutsch: um generalisierende Klugscheißerei. Was immer das nun heißen mag: ein Phänomen beweisen, eine Begebenheit kann dies jedenfalls nicht leisten. Erzfeinde können ohne Gesichtsverlust miteinander reden, weil keine protokollarischen Hürden stören, weder das Problem, wer zuerst angefragt hat noch der Prestigestreit um den Ort des Treffens. Wie das so dasteht, brauchen sie offenbar nicht einmal ein Begräbnis. Wo immer problematisch ist, wer zuerst angefragt hat, sollten die Registraturen der beteiligten Büros die Lösung liefern können. b) Politstuß
2. Männerfeunde a) Sudelei Die Männerfreunde Schröder und Lafontaine … reden zwar nicht miteinander, empfangen und senden aber doch regelmäßig Signale. Regelmäßig heißt: einer Regel gemäß. Daß zwei Leute Signale senden und empfangen, besagt nicht viel mehr, als daß sie lebendig sind. Als der Kanzler in Bonn die Finanzpolitik vor Eichel kritisierte, ohne Namen zu nennen, wußte Lafontaine genau, daß der Pfeil auf ihn gezielt war. Wenn der Pfeil gesessen hat, muß M. seinen Lesern offenbaren wollen, daß Lafontaine nicht an eine Fahrkarte geglaubt hat. (Lafontaine, mit dem letzten Atemzug: Der Schuft! er wollte mich erwischen!) Wenn nicht, daß er daran geglaubt hat. (Lafontaine, dem sterbenden Stoltenberg die Augen zudrückend: Herr Kollege, dies Geschoß hat mir gegolten!) Und als der saarländische MP Reinhard Klimmt in einem Brief an den PV die Politik des neuen Vorsitzenden kräftig kritisierte, spekulierte Gen. Gerd wohl zu Recht, daß Gen. Oskar die Attacke bereits vor ihm gelesen hatte. Was man nicht alles lesen kann! sogar Blüten und daher auch Stilblüten - aber eine Attacke lesen, das vermag selbst ein Teddy Roosevelt nicht. Klimmt und Lafontaine … agitieren beide weit links von der Mitte … (Jmd.) agitieren kommt auf dem Weg sozialistischer Sprachverhunzung von Agitation. M. hält es für edler als agieren. Weit links von der Mitte ist dasselbe wie weit links. Raffiniert richtet sich der Protestbrief an viele Adressaten. Raffiniert, wie der M. dem Klimmt dahinter gekommen ist: hat dieser doch glatt seinen Brief an die Agenturen gegeben! Die wichtigsten sind nicht die Parteifunktionäre, sondern die Saarländer. Adressat eines Briefes, den er nicht bestimmungsgemäß ausgehändigt bekommt, kann im übertragenen Sinn einer to whom it concerns sein, welcher ihn also betroffenheitshalber lesen sollte, müßte oder auch wird. M. meint Wunschleser. … Falls er am 5. Sept. gewinnt, wird wieder die Adresse Schröder wichtig. Dann könnte Sieger Klimmt sich als Kopf der führungslosen Linken anmelden. Freund Oskar … will … die Sympathien von Genossen zurückgewinnnen, die sich von ihm verraten gefühlt haben. Sinnvoller wäre es, die Sympathien derjenigen Genossen zurückzugewinnen, die sich immer noch von ihm verraten fühlen. Falls Klimmt die … Stimmung im Saarland noch dreht, wird ein Comeback für Lafontaine wahrscheinlicher. b) Politstuß
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