Von
Platon zu Emy
oder
Die institutionelle Lethargie der CDU
Ps
90,12
Der
CDU sei die letzte Ehre angetan, ihre seit Mitte der 80er Jahre galoppierende
Wählerschwindsucht in einen Dreijahrtausendzusammenhang zu stellen.
Wieso also redet Emy, 24-jährige Discodeutsche mit türkischen
Eltern, über die Jugend von heute wie vor knapp 2½
Tausend Jahren Platon über die Jugend von damals?
Alte
Fragen, junge Antworten
Was
ungefähr Emine, die Vertrauenswürdige, sowie der
göttliche Platon gemeinsam uns zu verklickern haben,
versteht sich von selbst und ist vor und nach der Zeitenwende zumindest
in jedem Jahrhundert, eher wohl jedes Halbjahrhundert und in unseren schnellebigeren
Zeiten eben schon jedes Jahrzehnt neu aufgelegt worden. Es ist kaum mehr
als ein postmodernes Aperçu, daß Emy auf den Umgang der Kids
der späten 90er mit Pappen, Peppen und Pillen abstellt. Wie
harmlos war das doch alles zu meiner Zeit!
Damit
muß sie im Kern so das Lustrum 1987/92 meinen, jeweils plus/minus.
Eine Epoche also, die auf eine Christiane F. schon beschaulich
zurückblicken konnte. Der Traum ausgewachsener verkorkster Geldbesitzer
jedweder Orientierung, daß ihnen die jeweils gewünschte
Kindersorte ohne Zwischenhändler verfügbar sei, war längst
schon wahr geworden. Und damit das klar ist: Nicht der Stoff war
und ist schuld, sondern die Kids wollten es jeweils nicht anders
und werden es auch fürderhin nicht anders wollen.(1.)
Man schlage die Bild-Zeitung vom 29. Juni 1998 auf und lese
auf S.4: Sarah, 13, in Worten: dreizehn, Jahre jung, aus dem ländlichen
Norddeutschland und allerdings schon dort auf H geraten, liest
das Buch der Christiane F.(2.) - und
unwiderstehlich zieht es sie in die Babystrichmetropole, lockt sie der
Bahnhof Zoo.
Zog
es sie? Nein, sie sank hin. Den eigenen Weg hat sie gesucht, und
die schmerzensreiche Frühgeschichte der Christiane hat ihr diesen
gewiesen. Sex? Aber nein doch! Nicht mal Geld. Nur das selbstgewählte
Leben. Zwar verkaufen sie sich für den Stoff, zuvor aber hat
der Stoff ihnen den Strich geebnet. Mithin den eigenen Weg.
Die
Jugendschelte der Jahrtausende, von Platon zu Emy, beklagt die
Unvernunft dieser Wahl, und das ist lebensfremd. Wenn Kinder
schon ihre Lebensform selber wählen können, müssen
sie das auch tun, und so sie es müssen, können sie nur
unvernünftig wählen. Denn sie können nun einmal
nicht wissen, was sie tun.
Institutionen
sind hergebrachte Richtigkeitsmuster: Antworten auf die ewige
Lebensfrage, wie und wann - nicht auch: warum (3.)
- man was tut. Also Institutionen brauchen, wie
wir Noterwachsenen, so schon und erst recht die kids aller
Zeiten. Damit sie nicht wählen müssen, sondern sich einordnen
können. Und so sehr brauchen sie Institutionen, daß sie sogar
von sich aus, sponte sua, scharf auf sie sind - Institutionen
sind echt geil. Nur kennen können sie von sich aus keine -
sind sie doch funkelnagelneu auf der Welt. Aber selbstredend liegt
hiermit nun ein klarer Fall für zwei vor, sollte also an dieser
Stelle allen Bengels und Gören die Ur-Institution auf
die Sprünge helfen können: Vater und Mutter (und, mit Nachachtung
der Gleichberechtigung, jawohl: hier nun einmal in dieser Reihenfolge).
Die also allfälligerweise ihnen zu verklickern hätten,
wo es denn nun für diesesmal lang zu gehen hat.
Das
wären ja nun mehr oder weniger Banalitäten, wenn - ja wenn
in diesen Platon/Emy-Tagen die Erwachsenenpotenz nicht
wieder einmal auf die Rote Liste gerutscht wäre, dem Nachwuchs
verbindlich, im Institutionalitäts-Modus zu verklickern, welche
Richtungsentscheidung aus jeweiligem Anlaß denn nun angesagt
ist. Sind es doch, wie eben im Auf und Ab der letzten 2½ Tausend
Jahre immer öfter, heutzutage wieder einmal die teenies, welche
Mutter und Vater nicht so sehr ehren, als ihnen vielmehr, so wie noch
vor fünfzehn oder zehn Jahren nur die drei- oder vierjährigen
Steppkes an den Bonbonkassen der Supermärkte, ihrerseits energisch
verklickern, was im einzelnen an Nike-, Replay-, Gucci-Staffage
sie so benötigen, sobald erst die Schule wieder anfängt.(4.)
Alles was recht ist - Schule als ongoing Teenie-Opernball! Was
man da wohl sonst noch so lernt?
Daß
man den eigenen Weg gehen muß. Daß man das präpubertär
fast so dringend wie die parallel keimende, ihrerseits lenkungsbedürftige
Körperlüsternheit (5.)
sich geltend machende Bedürfnis nach Institutionen wegen des
Ausfalls aller an sich zuständigen Instanzen, by default
mithin, selber stillen muß. Weil von den Zuständigen,
weil von uns Opas und Omas, kaum jemand sich selber noch ernst
genug nimmt, um gegenüber den kids Manns genug zu sein. Uns
Omas, uns Opas, fehlt institutionelle Energie, und logischerweise
würde das für unser Jungvolk die gähnende institutionelle
Leere bedeuten, wenn - ja wenn eine solche überhaupt anthropologisch
möglich wäre.
Kinder
sind Menschen, und institutionsfreie Menschen, solche, die frei
von vorgegebenen praktischen Antworten auf die ewige Frage wären,
was man wann und wie tut, gibt es nur im Mutterleib (wo
sie aber doch gleichwohl schon Menschen sind - oder?). Und so ist
denn die Schulopernballsubkultur keineswegs die früheste Instanz
der Eigeninstitutionalität der institutionell Alleingelassenen.
Ihren eigenen Weg finden sie schon, aber eben nur strikt nach
Maßgabe der wild sprießenden Institute ihrer eigenen
Kindkultur. I sit and watch the children play / Doin things
I used to do / They think are new
Nein - das ist wohl eher
nicht, was sie so denken. Sondern in aller Unschuld unterstellen sie,
daß die Spiele, die Regeln - die alten Fragen, die alten Antworten,
da geht nichts darüber - just für sie da sind, gerade
so wie die Sprache, ihnen auf die Seele geschrieben, just for
fun. So werden Institutionen, die eben echt geil sind, eingelebt,
einverseelt und lebenswirklich - wer auch immer sie angibt. Denn
wenn nun die Kids erst einmal institutionell allein gelassen sind,
beziehen sie ihre Institutionen halt by default von den anderen
Kids, und zwar sodann naheliegenderweise von den jeweils anderweitig
energischsten - bis hin zu den unter Kanther und Stoiber datenschutzgenießenden
Mehmets, (6.) welche ja nicht
nur von ihren Jasmins, sondern auch von deren Müttern angehimmelt
werden.
-
auf daß wir klug werden
Woher
haben, zuletzt zu Adenauer-Zeiten, unsere Altvorderen, unsere Omas
und Opas, noch die institutionelle Energie bezogen, welche uns
abgeschlafften Enkeln nunmehr abgeht? Auf der Welt / ist kein Bestand
/ - wir müssen alle sterben. / Dieses ist uns wohlbekannt
Wir setzen also bei dem wiederum anthropologischen Datum an,
daß wir, wenn schon, denn schon in Frieden fahren möchten.
Um sich dem Memento mori zu stellen auch nur anzufangen, müssen
die meisten von uns, denen Stalingrad oder Nam ja nun erspart
geblieben ist, wohl die doppelte Fünf überschritten haben -
es sind die kaum schon dreißigjährigen Söhne, die
ihre Väter noch vergattern wollen: Do not go gentle into that
good night! Auf der Poppelsdorfer Straßenkirmes hat heuer der
Schreiber, längst ergraut, einen kuriosen Blick in einen Kinderwagen
geworfen. Eine Mutter - nicht die des inliegenden Säuglings - hat
seine tölpelige Unzuständigkeit nicht mehr für Tod, wohl
aber immer noch für Geburt, ammenartig erspürt und gemeint,
ihn aufklären zu sollen: Da ist ein Kind drin! Und ein 18
Monde junges Krabbelmädchen hat sich unermüdlich vorwärts
bewegt, aber eben nicht eigentlich locker, sondern irgendwie erkennbar
mit ebensoviel Aufwand wie aber doch auch wieder Vergnügen. Nach
zwanzig Minuten hat Schreiber sich ein Herz gefaßt, hat das Kind
wiedergesucht und den Vater befragt: Was ist mit dem Mädchen?
Es ist doch krank. Der Vater war empört, teilte aber, auf die
Bewegungsweise seines Kindes ausdrücklich angesprochen, immerhin
mit, daß es soeben eine demnach wohl doch angezeigt gewesene Operation
hinter sich gebracht habe. Alles sei gut gegangen und die Aussichten glänzend.
Jeder Leser wird seiner lebensmutigen Tochter, und ihren
sorgenden Eltern auch, von ganzem Herzen wünschen, daß
alles in der Tat zum Besten sich richtet. (7.)
Über
die mit all den Jahren zwingender werdende Aussicht auf den eigenen Tod
hilft uns die übergreifende Aussicht hinweg, daß das Leben
auch nach uns weitergeht. Auch dieserhalb ist unsere Oma-und-Opa-Freude
am gedeihenden Leben ein weiteres anthropologisches Datum. Aber
so manchem Menschen geht es um noch mehr. Im normativen, im
Wertkern nämlich um nichts Geringeres als dieses: Daß
es auch nach ihm, nach uns, schlecht und recht, weiter mit
rechten Dingen zugehe. Und solches Wünschen nun, den Tod
nicht allein in seinen Töchtern und Söhnen, sondern darüber
hinaus auch in seiner lebenswierig anerlebten Institutionalität,
in seinem Anstand also zu überdauern - Tod,
wo ist dein Sieg? - ist die erste Stufe der Fernstensorge. Womit
nun zunächst das Platon/Emy-Skandalon auf den Punkt zu bringen
ist: Den Tod wollten wir Spätkulturellen schon ganz gern überdauern,
aber eben - da wir uns selber kaum noch ernst nehmen können
- nicht in erster Linie, und schon gar nicht unbedingt, in unserer
selbsteigenen Institutionalität. Welche uns nämlich zur bloßen
Privatsache - nein, schlimmer noch: zum eigenen Bier verkommen
ist.
-
Politics,
Politik und Parteien
Jene
erste Stufe nun müssen wir zumindest schon erklommen haben, wenn
wir auch zur Fremdverantwortungsfähigkeit noch empor wollen:
zur Fähigkeit zur Verantwortung für andere als bloß
für uns selber sowie für unsere Lieben. (8.)
Mit anderen Worten: wenn wir zu verantwortlicher Politik fähig
werden wollen. Fernstensorge aus Todessorge ist die charakterliche
Voraussetzung der Fähigkeit zur Verantwortung für fremde
Menschen, (9.) denen wir uns in einer
uns selber überdauernden engeren oder weiteren Schicksalsgemeinschaft,
vom Heimatdorf bis hin zu Menschheit und Schöpfung,
verbunden wissen wollen.
Daß
nun aber Politik ein schmutziges Geschäft ist, weiß
der Volksmund. Das Tummelfeld der Sonstnichtskönner und zunehmend
gar der Politosoziologen. Das Feld der organisierten Unverantwortlichkeit
für riesige Schicksalsgemeinschaften ergreifende Zwangsbindungsakte.
Andererseits aber gibt es ja auch die Politik als Beruf. Was die
Angelsachsen, gewiß zum Entzücken von Max Weber, mit calling
zu übersetzen pflegen: Politik als Berufung. Wie also wird
einer von uns Sterblichen zur Politik berufen?
Politik
als Berufung ist das über den eigenen Umkreis hinaus auf eine
- in ihren einzelnen Mitgliedern unbekannte - Schicksalsgemeinschaft verallgemeinerte
Bestreben, das Seine dazu beizutragen, daß im Rahmen dieser Schicksalsgemeinschaft
das Leben schlecht und recht weitergehe. In dieser Einstellung
wäre also Politik Institutionenpflege.
Nun
sind ja nun viele Politiker auserwählt und wenige berufen.
Auch von den Sonstnichtskönnern und Soziopolitologen abgesehen, sind
sie eben auch nur Menschen. Deshalb, und letztlich wohl nur
deshalb, ist es gut, daß es Parteien gibt. Ihre Aufgabe ist es,
jeweils die institutionelle Programmatik zu statuieren, nach deren
Maßgabe in ihrer Postenpyramide emporzukömmeln ist.
Man
mag diesen Zeilen gerne entnehmen, daß jede berufene Politik
konservativ und jeder berufene Politiker alt
(10.) sei. Worauf es aber an dieser
Stelle so sehr gar nicht ankommt. Sondern dieses ist der Punkt: daß
die Christlich-demokratische Union in Nachkriegstrümmern als
institutionenwiederherstellende und -pflegende Partei angetreten
und vermöge dieser ihrer institutionellen Energie zu der das
politische Gleichgewicht der daher ruhmreichen Bundesrepublik
Deutschland nachhaltig bestimmenden Kraft geworden war, sowie in dieser
Funktion unter der einzig auf Stellungssicherung bedachten sogenannten
Führung von Helmut Kohl seit 1983 zunehmend versagt hat.
- Privatsachen
z.B.
Ehebruch,
wie auch immer gang und gäbe, ist der Bruch eines - noch vor
kaum 40 Jahren hätte man gesagt: heiligen, wir aber wollen
dem Niveau unserer Kohl/Schröder-Zeitläufte nähertreten,
indem wir immerhin noch sagen: feierlichen Versprechens. Noch vor
30 Jahren hätte kein Bundeskanzler es vermocht, solchen Wortbruch
schnöselig als Privatsache (11.)
zu verniedlichen. Wo doch schon bloße Privatlügen öffentlich
relevant sein können. Sollte nicht, wer seine Frau belügt, im
Zweifelsfall auch prospektive Geschäftspartner verladen wollen können?
(Na klar, seine Frau führt er an der Nase vor, aber beim Gebrauchtwagenhandel
mit mir ist er unverbrüchlich treudoof!) Um so mehr also hätte
als Eichmaß (12.) zu
gelten: Wer auch nur ein feierliches Versprechen bricht, dem
glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht. (13.)
Und als privat kommt hier allenfalls in Betracht, wie der jeweils
Betrogene mit dem Betrogensein umgeht.(14.)
Aber zum 21. September 1998 hat ein Kanzler der Bundesrepublik Deutschland,
des ersten einigermaßen konsequenten demokratischen Verfassungsstaates
auf deutschem Boden, der zudem auch noch ein christlich-demokratischer
Kanzler war, öffentlich, und auch noch zu Wahlkampfzwecken,
erklärt, Wortbrüchigkeit und Betrug könnten
die öffentliche Geltung des wortbrüchigen Betrügers,
dessen Privatsphäre (15.)
ja nun zu respektieren sei, denn doch nicht schmälern.
Wie
konnte es binnen 20, 30 Jahren zu diesem Abgrund von Kriterienverfall
kommen? Der Mann firmiert ja nun als christlich - den mittlerweile
auch in der CDU auf breitester Front eingerissenen Sprachverfall
ins Spiegeldeutsch vom Christdemokraten hat er dankenswerterweise
nie mitgemacht - einen christlichen Demokraten also will er sich
genannt wissen. Ist aber - auch anderweitige Bewertungsaffären
seinerseits legen das nahe - doch wohl eher ein Christdemokrat.
Daß institutionelle Substanz, vor allem auch Energie ihm
nicht von Hause aus abgehen, hat er auf dem Leipziger PTag im Herbst 97
gewiß nicht zum ersten, wohl auch nicht zum letzten Mal bewiesen.
Da waren da die Leute, die einen ernsten Punkt hatten - gegen gentechnologische
Untersuchungen an Behinderten. Mit gutem Recht wollte Kohl die Angelegenheit
offen gehalten wissen und ist in eine Bresche gesprungen, von der wohl
keiner zu sagen weiß, wer sonst sie in dieser gewichtigen - nein,
diesmal nicht - Weise hätte füllen sollen. Der zeitgenössischen
Genossen ist hier ohnehin nicht näher zu gedenken. Ob Trittin
oder Hombach ist auf diesem Beritt eben gehupft wie gesprungen. Als moralische
Instanz war schon der sich protestantisch gesalbt dünkelnde Helmut
Schmidt, dem sowohl bei Papstaudienzen, die er goutierte, als auch
bei Events mit Ronald Reagan, die er aus Überwertigkeitskomplexen
stressig fand, seine unhanseatische Eitelkeit im Wege stand,
diesem in sich politmoralisch intakten unbedarften Oggersheimer
gegenüber a limine im Hintertreffen. (16.)
(Willy Brandt ist ein Kapitel für sich, schnitte aber, immerhin als
Fall mit tragischen Zügen, unterm Strich schlechter ab als Schmidt.)
Kohl, der ein paar Stunden zuvor bei seiner offiziellen PTagrede so krass
von der Rolle gewesen war, daß allenfalls exzessiver Medikamentenbeschuß,
über dessen zu gewärtigende Nebenfolgen sie von den Ärzten
vorab ins Bild gesetzt worden war, erklären kann, wieso seine, unsere
Hannelore ihn nicht rigoros vom Pult geholt hat - dieser also seiner selbst
kaum mehr mächtige Mann hat, jedes Handicap energisch abstreifend,
zu einer Intervention sich ermannt, die seine seinerzeitigen Gegner,
welche einen Punkt hatten, tief berührt hat - und manchen anderen
auch, was ja nun diese Zeilen bezeugen.
Lassen
wir also einstweilen ihn und seine jedenfalls überwiegend in stümperhafter
Wahlpolitik begründeten Bewertungsexzesse beiseite.
Aber allein Schreiber dieses hat im engen Bonner Raum sage und schreibe
zwei Männer vom alten Schlag, von echtem Schrot und Korn
geortet, die dem elenden Betrügerpräsidenten wie eben
auch CDU-Bundesvorsitzender und Kanzler Helmut Kohl die Stange zu halten
bereit sein wollten. Was um Himmels willen ist hier geschehen?
-
Schuld
und Sorry, das wars
Der
alte Schelsky hat befunden, das neue Scheidungsrecht der 70er Jahre
habe immerhin die Probleme des alten leidlich weggeschafft, dafür
aber gerade diejenigen erneuert, zu deren Abwickelung das alte
die Grundlagen bereitgestellt hatte. So wird es wohl gewesen sein, aber
es ist noch schlimmer gekommen. Das neue Scheidungsrecht
hat in der Bundesrepublik Deutschland an der Erosion des gesunden Menschenempfindens
(17.)
mitgewirkt, welche die westliche Welt insgesamt befallen hat. Seine
Eckwerte seien daher hier durchbuchstabiert, damit ein wenn auch nur symptomatisches
Modell von dem entstehe, was uns deutschen Menschenkindern
hier in 40 Jahren (18.)
widerfahren ist.
Wo ein wechselseitiges freies und wohlbedachtes
feierliches, für alle Wechselfälle des Lebens und bis
daß der Tod euch scheidet, statuiertes Versprechen
sodann gleichwohl storniert wird, wird es wohl Schuld geben.
Leitidee und gewollte Tendenz unseres spätkulturellen Scheidungsrechts
ist die Ablösung desjenigen Verfahrens, das solche Schuld hochnotpeinlich
zurechnet, durch einvernehmlichen Auflösungsvertrag.
Zwei Geschäftspartner wickeln nunmehr unter gerichtsnotariellem
Beistand eine Geschäftsbeziehung ab, deren Geschäftsgrundlage
für einen oder beide sich erledigt hat. Sorry, das wars.
Schon weil dies Verfahren unweigerlich
jenes Versprechen ex post als beiderseits gar nicht so gemeint
deklariert, bringt es ein ex ante-Niedrigerhängen der nach
seiner Einsetzung geschlossenen Ehen mit sich. Vor allem aber greift
in der Folge seine zentrale Tendenz, die der Enthaltung von Schuldzuweisung,
auf die Lebensordnung schlechthin über. Impliziert sie doch wiederum
die Enthaltung auch von der Bewertung des Verhaltens Dritter.
U.a. vom spätkulturellen Scheidungsrecht strahlt ein Meinungsklima
auf unsere Lebensordnung aus, welches Urteilsenthaltung in moralisch
relevanten Angelegenheiten Dritter begünstigt. Wobei nicht eigentlich
das eigene Urteil erodieren muß. Jeder einzelne
normalitätswillige Mensch wird vielmehr für sich selber
weiterhin unangenehm berührt bleiben, wenn er mitzuerleben hat,
was der eine oder die andere sich so leistet. Was zuerst und nahezu
unweigerlich erodiert, ist die Selbstsicherheit, in solchem Unbehagen,
solcher Apprehension mit anderen Normalitätswilligen
noch übereinzustimmen. Und allein damit schon hat die Erosion
des moralischen Einvernehmens in einer Regelgemeinschaft freie
Bahn. Das eigene Urteil wird ebenso zur Privatsache wie das Freilaufverhalten
derer, die man als ehebrüchig nun nicht einmal mehr beurteilen
mag. Was keiner mehr hören will, mag man schließlich
auch selber nicht mehr denken, zuletzt gar nicht einmal mehr
fühlen. Wieder einmal dämmert, unter Platons und Emys
bangen Blicken, vor unser aller sehenden Augen, düster und
entgeisternd eine augenzwinkernde und -zudrückende Ära
institutioneller Lethargie (19.)
herauf.
-
Auszug
aus dem CDU-Lethargieregister
Der
Reichstag war und ist Dem Deutschen Volke geweiht
und ward schnöde dem Christo zugeführt. Nein, das hat
nicht die CDU getan, wenn auch die Süßmuths und Scharrenbroichs
ihren Labersenf wieder einmal reichlich dazugegeben haben. Und wie so
gut wie immer, wie eben auch in der Hauptstadt- sowie der Abtreibungsfrage,
hat CDU-Bundesvorsitzender und Kanzler Helmut Kohl korrekt gestimmt. Nur
geschwiegen hat er dazu, und zwar nicht nur im Plenum. Sondern die Fraktion
hat er im Vorhinein nicht zusammengeschissen, welches er vermag.
Das
hat er auch 1991 nicht getan, als der Deutsche Bundestag als Gaunerkonvent
zur Hauptstadtfrage (?) sich konstituierte,
um auszubaldowern sowie feierlich, per Gesetz zu entscheiden, ob
er sein zuerst vor 40 Jahren statuiertes und seither kontinuierlich,
auch mit konkludenter alljährlicher Gesetzgebung, bekräftigtes
feierliches Versprechen zu just dem Glücksmoment, in dem es
freudig einzulösen er nun endlich in die Lage geraten war, nicht
doch lieber brechen solle. (20.)
Pflichtgemäß hat der Chronist hier einzutragen, daß er
nunmehr die womöglich einzige Station der Geschichte der Bundesrepublik
Deutschland betrachtet, auf der die heutige Lafontaine-Partei dem moralischen
Gebot der politischen Stunde eher sich gewachsen gezeigt hat als seine
Union. Gewiß, auch die Sozis hatten ihre knapp 50-prozentige Bonnfraktion.
Aber keineswegs nur der wiedergewendete, quasitragische Wiedervereinigungslebenslügner
Willy Brandt, sondern gestandene Linksaußen wie Erhard Eppler und
Jörg Jordan - der damals den Zeigefinger ins Innerste der
Wunde gebohrt hat: die seinerzeitige Geschäftsgrundlage jenes feierlichen
Versprechens hatte auf Punkt und Komma Bestand, neu war ganz allein
nur genau dieses eine Winzdetail: daß es nunmehr allererst erfüllt
werden konnte, und allein dies, und nichts, aber auch gar nichts
sonst war der Anlaß jener Ganovendebatte - haben auf dem Bremer
PTag der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, der Partei des Friedrich
Ebert, des Kurt Schumacher, der Carlo Schmid, Adolf Arndt, Fritz Erler,
diesen Bonnsozis in einer dem Chronisten aus seinem klopfenden schwarzen
Herzen sprechenden Weise die Leviten gelesen. Und bei jener Gauner-
und Ganovenabstimmung hat denn auch die SPD-Fraktion insgesamt besser
gestanden als die der Union.
CDU-Bundesvorsitzender
und Kanzler Kohl aber hat, wie gesagt, korrekt gestimmt sowie im Plenum
und im Vorhinein in der Fraktion zur Sache geschwiegen. Für eine
PTags-Debatte hatte er ohnehin keinen Anlaß sehen wollen. Was korrekt
gewesen wäre, wenn - ja wenn nun diese unsere Partei insgesamt
zu jenem Versprechen auch zu stehen noch den Anstand gehabt
hätte, das ja gerade und vornehmlichst auch das ihre gewesen war.
Eine
Mehrheit aus Oppositions- und Koalitionsabgeordneten des Deutschen Bundestages
hat seinerzeit ein Pro Familia-Gesetz beschlossen, welches
nach mit langwierigem Vorlauf wohlerwogener Auffassung der Mehrheit der
Unionsfraktion - unter Einschluß des CDU-Bundesvorsitzenden und
Kanzlers Kohl - verfassungswidrig war, welche Auffassung das BVG
hernach bestätigt hat. Federführend an diesem verfassungswidrigen
rot/grün/gelben Gesetz mitgewirkt hatte - nebst jener Dienstreisenden
auf Tochtervisite - der von der CDU gestellte Vorsitzende des Rechtsausschusses
des Deutschen Bundestages. Diese Stellung ist ihm gleichwohl erhalten
geblieben, und zwar nicht etwa nur anstandshalber vor, sondern durchaus
anstandslos ad libitum auch nach dem Spruch des BVG.
Womit
nun die traurige Grundfigur hervortritt: Institutionelle Substanz
gibt es in der CDU nach wie vor, aber auch nicht die Spur von Substanzpflichtigkeit.
Substanz wird nicht durchgesetzt - institutionelle Lethargie
statt Energie (21.)
Anything goes. Und die Christlich-Demokratische Union Deutschlands
zuschlechterletzt ja nun eben auch. Ätsch.
Warum
bloß hat dieser unser Helmut Kohl Substanz nicht jeweils
pünktlich in Energie umgesetzt? Von allfälliger
stümperhafter Wahlpolitik abgesehen: Weil das nun mal nicht sein
Saumagen ist. Was immer ihn in seiner Stellung als CDU-Bundesvorsitzender
und Kanzler nicht zu stören schien, wollte er nur aussitzen.
(22.)
Ein Jürgen Echternach hat in mafioser Manier die Wähler der
Hamburger CDU auseinander gejagt und ward daher von der dortigen
Basis in einem überfälligen Akt der Selbstreinigung als Landesvorsitzender
endlich abserviert. CDU-Bundesvorsitzender und Kanzler Kohl hat den Capo
mit dem Posten eines Parlamentarischen Staatssekretärs in Bonn abgefunden.
Wieso denn nun auch das noch? Ihm in seiner Stellung als
Doppelspitze war jener ja nie verquer gekommen. Sondern bei allfälligen
Abstimmungstelefonaten ihm jederzeit - Si, si, Padrone! si! -
beflissentlichst willfährig gewesen.
Gewiß
auf Drängen der wählerpolitisch einschlägig interessierten
F.D.P. (sic), aber eben nonchalant hat die Union in unserer 12.
Wahlperiode den Schutz männlicher Minderjähriger vor
homosexueller Anmache gestrichen. Gewiß haben dabei Schmuddelwissenschaftler
zur Verfügung gestanden, denen zufolge heterosexuelle
Jugendliche homosexuell ohnehin nicht ansprechbar seien.
Daß dies als den vom Rechtsgedanken her einzig relevanten
Einzelfall deckende Behauptung gelogen ist, wissen insbesondere
jene Homosexuellen zu würdigen, deren Traumpartner
just jener zwar heterosexuelle, in seiner Geschlechtspersönlichkeit
aber noch nicht hinreichend gefestigte (was aus Sicht jenes Aspiranten
allerdings nicht gerade ideal, aber realiter denn doch in Kauf zu nehmen
ist) Jugendliche darstellt. Ein kurzer genauer Blick auf homosexuelle
Rituale primitiver Stämme auf Papua-Neuguinea kann überdies
abschließend klären, daß männliche Bisexualität
in der Adoleszenz ohne weiteres andressierbar ist. Aber all diese Fakten
werden hier nur einleitend referiert. Der todkranke Punkt ist die
Begründung, auf welche in ihren Koalitionsvereinbarungen mit
der F.D.P. (sic) die Union seinerzeit sich eingelassen hat: Innerdeutsche
Rechtsangleichung! Das Recht der Bundesrepublik
Deutschland, des ersten einigermaßen konsequenten demokratischen
Verfassungsstaates, war dem Recht der abzuwickelnden sogenannten
DDR, des zweiten totalitären Staates, jeweils auf
deutschem Boden, anzupassen!
So
weit also war es damals schon gekommen. Die Kohl-Union hatte sich nunmehr
bereit gefunden, sich im Hinblick auf den Schutz der werdenden Geschlechtspersönlichkeit
am Recht eines Unrechtsstaates zu orientieren, der, eines eigenen
Menschenschutzgedankens nun ganz gewiß nicht fähig,
allein schon durch seine Existenz, deren Berechtigung die Brandt-SPD ihm
schon ein paar Jahre früher nicht mehr hatte absprechen mögen,
jeden ihm unterworfenen Menschen Tag für Tag vergewaltigt
hatte.
Womit
wir nun eigentlich beim freundlichen Kohl-Takevover der
Blockflöten-CDU wären. Deren IM Czerny gerade
in diesen traurigen Tagen erneut von der Versöhnung mit der
SED sabbern darf, zu welcher nun just die Christlich-Demokratische
Union Deutschlands berufen sei, deren institutionelle Energie
einmal vier Jahrzehnte Bundesrepublik Deutschland alles in allem
zu einem Glanzkapitelchen der Weltgeschichte gemacht hatte.
Aber
es ist nun fürs erste genug. Dieses kleine Lethargieregister
soll den CDU-geneigten Leser von altem Schrot und Korn schmerzen,
nicht ihn ermüden. Es fortzusetzen und vorläufig
abzuschließen, wäre gute 14 Tage Mühe und Arbeit,
welche hier und jetzt nicht verlohnen. (23.)
Wenden wir uns dem wahlpolitischen Schluß zu. Nein, die Wähler
haben das alles nicht so getreulich registriert wie jetzt der unversöhnlich-getreuliche
Chronist. Der mitdenkende Leser möge sich selber vergegenwärtigen,
bei welchen der hier nur angerissenen CDU-Wertaffären das in welcher
Weise gleichwohl der Fall gewesen sein mag. (24.)
Was hier zu erweisen war, ist aber nur dies: Eine Partei der Mitte,
welche derart massiv von institutioneller Lethargie befallen ist,
wird institutionelle Energie nicht mehr glaubhaft darstellen können,
sobald flotte (?) Wahlkampfmanager den entsprechenden Symbolschwenk
drei oder vier Wochen oder Monate vor der nächsten Wahl wieder einmal
für opportun halten sollten. Wer unsere Gesetze nicht achtet,
fliegt raus! Ha ha! Lachen ist gesund! Noch so einen! - Die
Christlich-Demokratische Union Deutschlands vermag nicht mehr zu
richten und ist daher gerichtet worden.
Schreiber hat - wobei ihm Kohls Clinton-Nummer
den Rest gegeben hat (25.)
- zum ersten Mal in seinem langen Wählerleben nichts, Emy bei ihrem
ersten Mal FDP gewählt. Das Leben geht weiter.
Sweet
Short Little Sixteens - Die Wählerbilanz
Was
Alt-Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl nach sechzehn Jahren seiner,
unserer Partei sowie unserem unter seiner halbwegs energischen Mitwirkung
geeinigten deutschen Vaterland vor allem hinterläßt,
ist eine verwüstete Wählerlandschaft. Schon mit der BTWahl
87, bei welcher der Vorsprung der schwarz/gelben Mitte vor Rot/grün
von gut 4½ Mio. auf rund 3 Mio. Wählerstimmen abgeschmolzen
war, hatte in der politischen Gleichgewichtslage der BR Deutschland
eine nachhaltige Linksverschiebung eingesetzt, welche selbst bei
der Wiedervereinigungsjubelwahl 90 noch deutlich wirksam geblieben, allerdings
durch SPD-widrige Lafontaine-Effekte überlagert war. 94 hatte das
rot/grüne/blutrote Linkslager faktisch den Gleichstand zur
Mitte geschafft - gut 22 Mio. auf beiden Seiten. Und heuer
hatten wir den vierten und kräftigsten Linksruck einzustecken.
Das Linkslager hat 26 Mio. eingefahren, 5½ Mio. mehr als
die Mitte. Auf Länderebene hatte die dort bereits 85
einsetzende Linksverschiebung bis 90 zum Verlust der Mehrheit der Mitte
im BRat geführt. Sie wurde kurzzeitig wiederhergestellt, weil
von den fünf neuen Bundesländern zunächst vier von der
Mitte regiert worden waren, aber unterdessen ist die linke
BRat-Mehrheit mittelfristig stabil und reicht fast schon an die Zweidrittelmehrheit.
(26.)
In
den USA hatte die Linke praktisch in der gesamten Nachkriegszeit
bis Ende der 80er Jahre beide Häuser dominiert, und die in den 60er
Jahren massiv einsetzende linke Sozialpolitik wurde im wesentlichen
auch von den von 1969 bis 1977 amtierenden Präsidenten der Mitte
mitgetragen. Die gesamten 80er Jahre waren dann aber bestimmt von einem
von Präsidenten der Mitte ausgehenden radikalen Schwenk
zur Mitte in Finanz- und Wirtschaftspolitik, (27.)
die sich derart nachhaltig durchsetzen konnte, daß sie seit 1993
von einem Linkspräsidenten geradezu vollendet wurde, wobei
jedoch von Bedeutung war, daß beide Häuser mittlerweile - und,
soweit von hier aus absehbar, auch stabil - von der Mitte dominiert
werden.
Um,
nach sogar 18 Jahren, die Tories abzulösen, mußte in
Großbritannien die Linke ihrerseits einen Mitteschwenk
vollziehen, der unsere CDU teilweise schon links aussehen läßt.
Ungeachtet aller von hier aus derzeit nicht abzugreifenden Linkskonzessionen,
die Mr. Blair sich gestatten mag, ist jedenfalls absehbar, daß die
New Labour-Regierung die nachhaltige Konsolidierung von Kernerrungenschaften
der Glorious Thatcher-Revolution bedeutet. Weil, anders als in
den USA, diese Mitteverschiebung durch die Linkspartei
hindurchging, ist sie möglicherweise sogar als noch tiefgreifender
zu bewerten.
Frankreich
hat zwar eine vergleichbare Mitteverschiebung kaum absolviert.
Aber immerhin hat Mitterand seine Linksprojekte während seiner
ersten Amtszeit storniert, um wiedergewählt zu werden. (Diese seine
Kehrtwendung hat sodann Clinton unter vergleichbaren Umständen kopiert.)
Z.Zt. ist die Gleichgewichtslage Frankreichs erneut, wenn auch
seitenverkehrt, von cohabitation bestimmt. Die Linksregierung
legt erneut Linksprojekte auf, die wegen der Regierungsbeteiligung
von Grünen und Kommunisten für diesesmal jedenfalls nicht
ohne weiteres auch wieder auf Eis zu legen sein werden. In der Summe aber
kann auch in Frankreich von einer Linksverschiebung kaum die Rede
sein.
Dieser vorsichtige Befund dürfte
im großen und ganzen für die gesamte OECD-Welt zutreffen
- soweit sie eben nicht, wie USA und UK, eine deutliche Mitteverschiebung
vollzogen hat. Eine sogar krasse Linksverschiebung seit den
80er Jahren gibt es demnach ganz allein nur in Deutschland. Unter
Margret Thatcher bei den Konservativen, unter Ronald Reagan bei den
Republikanern hatte institutionelle Energie immer die Oberhand.
Besenstielbonus
Die
CDU-Frischlinge (das sind Wildschweinblagen) von
Wulff bis Müller und zurück dürften auf der Blüm/
Geißler-Schiene um die von den resignierenden Alteigentümern
abgestoßenen Posten buhlen wollen. Weniger wohl wegen verfehlter
Wahlanalysen à la FAZ (Hefty), denenzufolge die unter Einschnitten
leidenden Rentner, dem Sog rot/grüner Sozialwärme nachgebend,
das ja nun ohnehin seit langem sinkende CDU-Schiff in Scharen verlassen
hätten. Sondern eher an die natürlichen Grenzen ihrer programmatischen
Phantasie stoßend - wo keine vergangenheitsfähige christlich-demokratische
Programmatik von innen her gewachsen ist, hilft man sich halt mit
Sozialklimbim aus. (28.)
Die
Rentnerformel aber sticht schon deshalb nicht, weil ja nun eben
die Union bei jeder BTWahl seit 1987 einschließlich Wähler
in Millionenscharen gelassen hat. Und es gibt keinerlei Veranlassung,
für den vierten Absturz in Reihe eine andere Erklärung zu suchen
als für die ersten drei. Für den urteilenden, also nicht
einfach nur Befragungsdaten fälschenden, Beobachter unerwartbar war
allerdings das Ausmaß dieser heurigen Welle der CDU-Verdrossenheit.
(29.)
Und noch verblüffender war dies: daß die SPD satte 3 Mio. Stimmen
zugelegt hat. Ob das wohl an Schröder liegt? (30.)
Daß 20 Mio. Wähler durch diesen Lauluftballon nicht durchgeblickt
haben, ist nicht weiter verwunderlich - selbst bei P-Connex mag
einmal die Geistesverfinsterung geherrscht haben, in der er mit fast schon
einem Halb-Blair zu verwechseln war.
Warum
also hat ein seit dem 1. März von Lafontaine bis zur Willfährigkeit
geknickter Schröder 3 Mio. Stimmen mehr eingefahren als Scharping
vor vier Jahren, wieso Kohl nochmals 2,2 Mio. weniger? P-Connex
analysiert Wahlergebnisse unter der methodischen Voraussetzung:
Wechselwähler gibt es nicht. Genauer: Soweit es sie gibt,
sind sie nicht wahlentscheidend. Womit sich obige Fragen wie folgt stellen:
Wieso hat die Union nochmals 2,2 Mio. Wähler an die Enthaltung
verloren, wieso die SPD 3 Mio. aus dieser zurückgeholt?
Wiederum
aus methodischem Grund sind diese Bilanzsummen noch um die Neuländerteilbilanzen
zu bereinigen. Mangels Wählersozialisation können die
Ossis einfach noch nicht wählen - da benehmen sich an den
Urnen Opas wie Teenies. Dort also gibt es Wechselwähler
und wird es sie noch drei- bis fünfmal geben. (31.)
- Damit also stellen sich die beiden Kardinalzahlen auf 1,5 Mio. Miese
für die Union, 2,4 Mio. Gute für die SPD (jeweils im
alten Wahlgebiet, jedoch unter Einschluß von Berlin-West).
Die
fundamentalen Gründe für die stetige Wählerdrainage
der CDU unter Kohl wurden eingangs betrachtet. Nehmen wir uns hier nur
die SPD vor. Nein, auch deren Aufschwung ist nicht so ganz dem Schröder
seiner. Linkswähler ticken anders. Zwar gilt auch für
sie das P-Connex-Stammwähler-Theorem: mit ihrem Kreuz in der
Einsamkeit der Wahlkabine wollen sie vor sich selber zum Ausdruck
bringen, was für ein Mensch sie jeweils im Verhältnis
zur Politik sein, für welche Werte sie also mit ihrer
politischen Persönlichkeit einstehen wollen. Mittewähler
neigen dazu, diese Wertprogrammatik als im zu wählenden Personal
verkörpert, einverseelt, erkennen können zu wollen. Linkswähler
fühlen abstrakter, sind sehr viel eher imstande, Herz und
Kreuz an ein bloßes Textprogramm zu vergeben. Sowie ggfls.
auch darüber hinwegzusehen, daß sie ihre Wertprogrammatik in
der Persönlichkeit des Spitzenmannes nicht wiederfinden. (Und
der Vorwahlhampelmann von Hombach, (32.)
der Nachwahlhampelmann von Lafontaine hat ja auch keine.) Sozis gehen
zur Gesinnungsbetätigung wählen, und einen Spitzenmann,
der sie nicht - wie zuletzt 1972 Willy Brandt - geradezu anmacht, nehmen
sie jedenfalls so lange billigend in Kauf, wie er ihnen in der Programmatik
vorgelagerter Werte nicht in die Quere kommt. Das hat 1990 der
SPD-Spalter Lafontaine mit seinem Lied vom Teilen Deutschlands
geschafft, und 1996 bei den LTWahlen, vor allem in Baden-Württemberg,
wegen seines hinterhältigen Putsches im Mannheimer Rosengarten
ein halbes Jahr vorher.
Außerdem
sind Sozi- eher als Unionswähler auch Siegwähler. Diese
Fraktion eilt zur Urne, sobald sie den Sieg in der Nase hat. Und
von 1983 bis 1994 ist sie daher zuhause geblieben. - Nein, der
These vom programmatischen Wähler widerspricht das gerade
nicht. Der gemeinsame Nenner ist das Freund-Feind-Moment. Der Programmsozi
zeigt uns schwarzen Geldsäcken die rote Karte, und
der Siegersozi will die Veränderung dieser Schwarzgeldwelt
eigenherzkreuzig mitbewerkstelligt haben.
Basal
also sind Sozis Besenstielwähler - und haben ja nun in etwa,
was ihnen genügt hat und jetzt schon langt, nur eben wir
leider auch -, und bei, sagen wir, 10 Prozent ist die Siegermentalität
ausschlaggebend. Der Anteil am Zuwachs also, den der Besenstiel selber
auf sein persönliches Konto verbuchen kann, wäre im groben wie
folgt zu veranschlagen: Den Besenstielsozis ist er nicht grundwertig
in die Quere gekommen, und den Siegersozis hat er Zuversicht eingeflößt
- dabei kräftig abgestützt durch die unplausible Abermalskandidatur
eines Kanzlers, der zum bloßen Kandidaten sich niedergemacht
hatte. - Nun bleibt noch einzutragen, daß 1994 auch ein Rudolf Scharping,
im Vergleich zu welchem ein Hans-Jochen Vogel ja als Charismatiker erstrahlt,
den Sozis nicht grundwertig verquer gekommen ist. Es gibt ihn also
wohl doch, den Schröder-Bonus. 500 Tausend Stimmen im alten Wahlgebiet
plus Berlin-West - so um diesen Dreh. Das markante Gesicht, die sonore
Stimme. Der Anteil der Neuen Mitte am SPD-Zuwachs ist von etwa
dieser Quantität, genau dieser Qualität.
Korrolar
So
sehr politcharakterlich verschieden, wie obige Analyse es nahelegt,
sind die Mitte- von den Linkswählern nun allerdings
auch wieder nicht. Auch eingefleischte Mittewähler können
gleichsam sekundär zu Freund-Feind-Wählern werden. Dann
nämlich, wenn sie der Freunde, also ihrer, unserer CDU, überdrüssig
geworden sind. Welcher Mensch sie im Verhältnis zur Politik
sein wollen, können sie nunmehr nicht mehr affirmativ, nicht
mehr mit dem einsamen Kreuz für die Schwarzen vor sich
selber zum Ausdruck bringen. Und regelmäßig weichen daher viele
von ihnen auf eine Selbstdeklaration e contrario aus: Ich will
einer bleiben, der gegen die Roten steht. Wer also schwarz
nicht mehr wählen konnte, hat immerhin vorläufig noch
gelb gewählt, weil Rot/grün für ihn der
Feind eben doch gewesen und geblieben war.
Dieses
also, en passant, zur Leihstimmen-Legende. Nicht
nur hat die CDU niemals von sich aus Stimmen verleihen
können, wie die FDP einmal zu Recht gegen GS Hintze festgestellt
hat. Sondern auch kein CDU-verdrossener Wähler hat jemals
seine Stimme der FDP geliehen. Um sie also, sobald
sie von dieser nicht länger benötigt werde, wieder dem Konto
der CDU zuzuführen. Der FDP ward gegeben, aber - was Kinkel bezeugen
könnte, wenn er das könnte - der F.D.P. (sic) ward auch wieder
genommen, und die CDU schaut immer noch perplex in die Kohl/Geißler,
-Rühe, -Hintze-Röhre. Seit 1987 hat die F.D.P. (sic) CDU-Verdrossenen
jeweils nur als Zwischenstation vor der Wahlenthaltung gedient.
Exkurs I:
Parteiverdrossenheit
gibt es nicht
Verdrossen
sind jeweils Stammwähler dieser oder jener Partei. Selbstverständlich
gibt es faktisch auch Wechselwähler. Ihre Kernmerkmale dürften,
alternativ oder additiv, Jugendlichkeit und Verbildung, vulgo:
Intellektualität, sein. Der gemeinsame Nenner: Twens und ewige
Studenten sind in der Dauerverlegenheit, ein reifes Verhältnis
zur Politik zu kultivieren nicht oder noch nicht imstande gewesen
zu sein, teilen also ihre Kreuze nicht nach Maßgabe einer ihnen
von innen her zugewachsenen politischen Persönlichkeit, sondern
nach Gutdünken zu. Was sie zu vergeben haben, ist eben kein
Herz-, sondern nur ein bloßes Bleistiftkreuz, an welchem
nichts hängt. Hier also gilt: Wer gar nicht erst geliebt
hat, kann sich auch nicht betrogen fühlen. Wer hingegen in
die Reife des Stammwählerstatus schon eingetreten war und hernach
seiner Partei überdrüssig geworden ist, verzichtet
auf den somit leider gegenstandslosen gewordenen Urnengang - sein Herzkreuz,
mit dem er vor sich bekennen könnte, für welche Werte
er als politische Persönlichkeit einstehen will, kann auf
jenem Zettel seinen Ort ja nun nicht mehr finden -, wählt mithin
- niemals remutiert ein Herz- zum Bleistiftkreuzwähler
- keineswegs die anderen Fritzen. Von den Wahlforschern jedoch, ihrerseits
ewigen Studenten, wird er unweigerlich als parteiverdrossen
verrechnet, wiewohl er mit irgendwelchen anderen Parteien schon
längst nichts mehr am Hut gehabt hatte. Der kurze Sinn: Es gibt nur
CDU-, SPD- usf. Verdrossenheit. (Der Vollständigkeit
halber ist in diesen Befund die eine Ausnahme von allerdings systematischem
Gewicht noch einzutragen: Nicht allzu rar ist die Erscheinung, daß
ab Mitte des vierten Lebensjahrzehnts die Linkswählerei sich auswächst.)
(33.)
- Die CSU übrigens hat die gegen Unionsverdrossenheit angezeigte
Strategie ins Organisationsstatut eingebaut: wegen ihres Sonderstatus
innerhalb der Union wurde und wird sie bei LTWen für die Macken der
Kohl-CDU von ihren Wählern nicht im gleichen Ausmaß in Mithaftung
genommen wie die CDU-Landesverbände. Die programmatische Bodenständigkeit
kommt - seit der BTWahl 94 auch wieder auf Bundesebene - zu diesem organigrammatischen
Vorteil allerdings hinzu.
Exkurs II: Totenrennen
Haben
im Hinblick auf immerhin zwei den urteilenden Beobachter auf dem
falschen Fuß erwischenden Paukenschläge die Kaffeesatzverrührer
nicht doch richtiger gelegen? Die ja zwar in letzter Minute bis auf Allensbach
auf den Phantomzug des Kopf-an-Kopf-Rennens - der Landeswahlleiter
NRW hatte schon ausgerechnet, daß die Wahl von den rund 10.000 bis
zum Wahltag bereits verstorbenen Briefwählern entschieden werden
könne - gesprungen sind, zuvor aber über Monate hinweg Union
und SPD in den nach Maßgabe des Ergebnisses annähernd richtigen
Größenordnungen gehandelt hatten. Nein, sie haben noch falscher
gelegen. Prophezeiungen auf Umfragenbasis sind auch laut Selbstauskunft
dieses Miljöhs um so zuverlässiger, je dichter sie zeitlich
an der Wahl liegen. Also: Totenrennen war ihrer Weisheit letzter
Schluß.
Und
nun zu Allensbach: Die vermeintlich treffende letzte Prophetie
vom Bodensee beruhte auf einer Stichprobe, die laut Selbstauskunft zu
20% aus noch Unentschlossenen - also nicht etwa: zur Wahlenthaltung Entschlossenen
- bestand. Von einer Stichprobe demnach, die nur 80% Entschlossene aufzuweisen
hatte, hat Allensbach auf eine Grundgesamtheit schließen wollen,
die ex definitione zu 100% aus Entschlossenen bestehen würde.
Da ein solcher Schluß wissenschaftlich absolut unzulässig ist
(vgl. Politische Notizen August 97), hat Allensbach also
auch nur geraten. Im kritischen Moment Nerven behalten ist die Kernkompetenz
der Hasadeurs. So manchem Leser werden nach dem rot/grünen
September Privatgurus über den Weg gelaufen sein, die, möglicherweise
sogar zu Recht, sich rühmen, ähnlich gut geraten zu haben. Nun
gut, Allensbach hat seinen Tip drucken lassen. Aber Fehldrucke
gibt es gerade auch von Allensbach reichlich.
Und
damit zur Hauptsache: Die anderen Loddels des Meinungsmiljöhs
haben zum Schluß sogar - ganz gegen ihre Gewohnheit - zu Prognosen
auch der Wahlbeteiligung sich verstiegen. Und zwar nicht etwa auf Umfragenbasis,
sondern im Genuß des stolzen Selbstbetrugs - zuweilen gönnen
sie sich das Vergnügen, in erster Linie sich selber und uns nur
sekundär zu leimen -, wegen ihrer sensationellen Falschprophetie
eines spannenden Kopf-an-Kopf-Rennens würden die Wähler dem
Sog der Urnen nicht widerstehen können. Nun wird einerseits praktisch
jede Wahl im Kern durch differentielle Wahlbeteiligung der
jeweiligen Potentiale entschieden. Und andererseits müßte eine
auf Befragungsbasis beruhende belastbare Prognose ohnehin konkludent
auch die (aus diesen Beteiligungsgradienten in Verbindung mit der habituell
verankerten Basiswahlenthaltung resultierende) Gesamtwahlbeteiligung prognostizieren
können.
Wer
auf Befragungsbasis ernsthaft zu prognostizieren beansprucht, muß
also auch die Wahlbeteiligung prognostizieren können. Damit ist den
Befragungspropheten der Königsweg zur Seriosität gewiesen. Ab
sofort mögen sie darauf verzichten, ihre Befragungsdaten in Prozentzahlen
umzurechnen. Um sie statt dessen auf absolute Stimmenzahlen für die
diversen Parteien hochzurechnen, inklusive eines Sammelbetrags für
alle, die da ferner laufen werden. (Alternativ könnten sie auch Prozente,
dann aber auch die der Wahlbeteiligung, verkünden.) Wer mit einer
solchen Prognose am Wahlabend richtig läge, hätte einen - wissenschaftlich,
genauer: statistisch-methodisch, freilich immer noch ungedeckten - Anspruch
auf den Kranz für eine nicht nur im Ergebnis passende, sondern vor
allem auch nicht ohne weiteres als Tip wegzuwischende Prognose.
In Prozentzahlen (unter Auslassung der Wahlbeteiligung) ausgedrückte
Treffer hingegen sind per se Glückstreffer. Woraus umgekehrt
folgt: daß die Befragungsprognostiker Betrüger sind,
erhellt schon daraus, daß sie ihre Befragungsdaten in Prozente umrechnen
sowie die Wahlbeteiligung außen vor lassen.
Mahnmalerei
(wok)
In Mahnmalen versinnbildlichen Gemeinschaften gemeinsame Schicksale.
Geteilte Freud, öfter aber wohl geteiltes Leid. (Es war frivol,
aus Anlaß unserer Wiedervereinigung den 17. Juni durch den
3. Oktober, den Schmerzens- durch den Freudentag abgelten zu wollen.)
Mahnmale errichten Schicksalsgemeinschaften zumal jenen, die mehr
für sie geopfert haben als andere.
Da
wird nun, per Zwangsbindungsakt, von einem Churchill, Roosevelt oder Johnson,
oder eben auch von den Hitler- und Stalindioskuren, ein junger Mann in
einen Krieg geschickt, und nun ist er also totgeschossen, und
wie er nun so daliegt, kann - was ja nun vorkommt - keiner ihn noch kennen.
Wer aber nun ihm nahegestanden hat - Eltern, Kinder, vertrautes
Weib - trauern ihm nach, aber wo denn nun? Im Herzen, klar
doch, in der Seele, aber es ist nun einmal ein anthropologisches Datum,
daß wir trauern wollen können, wo uns, wenn auch wider alle
Vernunft, die leibliche, sogar leibseelische Gegenwärtigkeit
dessen, der uns hat verlassen müssen, immerhin doch schon
wieder vorstellbar und in einem würdigen Rahmen daher sogar
auch irgendwie fühlbar ist. Seit zwölftausend Jahren
gibt es, als eine Ur-Institution, dieserhalb Friedhöfe.
Aber wo denn nun hat jener in einen Krieg geschickte junge
Mann seine bleibende Statt? An welcher Eltern, Kinder, vertrautes
Weib ein paar Minuten stillen Gedenkens sich abverlangen und
gönnen könnten? Weil wir, unsere Schicksalsgemeinschaft,
diesen stillen Ort ihnen niemals werden weisen können, errichten
wir jenem in einem Krieg, der, wenngleich Verbrechenskrieg der Hitlers
und Himmlers, zwangsläufig ein auch unsere deutsche Schicksalsgemeinschaft
in Anspruch nehmender Krieg war, unbekannterweise gefallenen
jungen Mann, sowie mit ihm allen, denen es wie ihm ergangen ist,
ein Mahnmal. Nein, niemandem hilft das noch wirklich, aber wir
müssen es tun. Dem Mann und denen, welche ihm nahe gestanden
haben, und zwar auch, wenn diese es gar nicht haben wollten, sowie uns
selbst als Schicksalsgemeinschaft sind wir das schuldig.
Denn nur so können wir in aller Form und vor jenen wie vor
uns selber bekennen, daß wir zu würdigen wissen wenigstens
wollen, was sie unserer Schicksalsgemeinschaft opfern mußten,
wir aber, zuletzt sogar selbst jene noch, welche doch selber dabei
sein mußten, zum Glück aber davongekommen sind,
letztlich ja nun nicht.
Deserteure
haben gemeinhin Namen und Adresse, sind kenntlich, sogar
Talk Show-tauglich geblieben und haben einiges mehr für sich
getan als viele, viele andere. Dem unbekannten Clinton mag
sein Heldengrab schaufeln, wer immer dies mögen mag, aber
nicht mit uns.
Mahnmale
künden von Taten, welche geschehen - namens einer Schicksalsgemeinschaft.
Eine solche ist auch unser Vaterland, unsere deutsche Nation.
Verbrechen aber nun, welche namens dieser unserer deutschen Nation,
unseres Vater- und Mutterlandes zu verbrechen eine massenmörderische
Verbrecherclique beanspruchen wollte, sind eines nationalen, eines
Mutter- und Vaterlandesmahnmals nicht fähig. Denn damit
würde jene Verbrecherclique nachträglich - ohne jeden Anlaß
in der Sache - nicht nur schlechthin als seinerzeitige Sachwalterschaft
unserer deutschen Schicksalsgemeinschaft, sondern darüber hinaus
ausdrücklich auch noch hinsichtlich ihrer Endlösung als
solche zertifiziert. So als hätten wir für diese unseren
guten deutschen Namen jemals hergeben wollen. Wer unserer deutschen
Schicksalsgemeinschaft ein nationales Holocaust-Mahnmal aufdrücken
und unterjubeln, ihr also Schuld aufladen will, entlastet die Nazis.
So als hätten diese nur stellvertretend, repräsentativ,
für unsere deutsche Nation gehandelt. Und wer die Hitlers und Himmlers
im Nachhinein als Volksvertreter deklariert, vergreift zugleich
sich am Schicksal ihrer Opfer: so als wären sie Opfer nicht bewaffneter
Verbrecher, sondern friedlicher Bürger, wie z.B. meiner Mutter, meines
Vaters, als deren Auftraggeber geworden.
Die
diversen Mahnmalsmanager sind, wie Gutmenschen alle, bösartig.
Indem sie verstorbenen wie ungeborenen Generationen die Schuld an der
Shoa anhängen, die bigotte Kollektivschuldthese nicht sowohl
verbal wieder auflegen als vielmehr in trojanische Dominosteine
gießen wollen, sprechen sie zugleich selber als Ankläger
sich frei. Sind es doch sie, die unermüdlich pharisäisch
den Anderen das Angedenken auforganisieren, welchen sodann anders
als ihnen die Gedächtnishölle gebührt. Und daß
nun diese, was in unserem Men-, unserem -schen, ja unserem
Menschensinn - lesen Sie! was doch geschrieben steht!
- Auschwitz bedeutet, nicht auch nur ahnen, geschweige denn fühlen
wollen können, bezeugt zwingend ihr sowohl faktisches
wie taktisches Desinteressement am Archipel GULAG.
So
hat denn vor zwei Jahrzehnten schon der linke Lügenpapst Habermas
sich sowohl wie allen linken Intellektuellen den Lorbeerkranz gesteckt,
daß in der Bundesrepublik Deutschland doch sie es gewesen
seien, welche trotz der massiven gesellschaftlichen Restauration die
Erinnerung an den Nazismus und an die Traditionen, mit denen dieser gebrochen
- die abgründige Verlogenheit jenes hier zitierten Linkspapstes
tritt schlagend ans Licht, indem dieser, nur um uns weniger
Linkgewirkten an die Wäsche, mit jenen Nazis in eine Schußlinie
manövrieren zu können, diesen unverfroren schamlos konzediert,
daß sie mit irgendwelchen Traditionen (34.)
zunächst irgendwas am Braunhemd gehabt, sodann aber, wie eben
auch - und das ist der Linksw
ereipunkt - wir
nicht so sehr Linkgewirkten, schnöde mit diesen gebrochen
hätten - hatte, wachgehalten hätten, um sodann zur Selbstapotheose
sich zu versteigen: daß eben diese linken Intellektuellen
es seien, die heutzutage für jene Traditionen einstehen, gegen
die 1933 ein deutsches Regime angetreten ist. Also eine sich selber
verhimmelnde W
linke mit ihrer Unschuld an unserer
Shoa als Vorlage hüben, und drüben wir als
gesamtdeutscher Rest in der den Nazis jederzeit genehmen Ecke.
Ich
nun gedenke, Vater und Mutter sowie die Wahrheit zu ehren, indem
ich um keinen Preis die Hitlers und Himmlers als deren Stellvertreter
gelten lasse. Meinerseits genieße ich die von eben jenem Menschenschlag,
der jetzt in Mahnmalerei macht, seinerzeit, weil sie ihnen ihre
vorstehend skizzierte linke Tour zu vermasseln geeignet schien,
bösartig, mit Abnicken aus Geißler-Eminenzstuben
im sogenannten Adenauerhaus, verhöhnte Gnade der späten Geburt,
und werde sie mir von niemandem nehmen lassen. Welcher Leser würde
sie seinen Nachfahren von einer Lea Rosh oder einem Lügenpapst
entziehen lassen wollen?
| |
Fußnoten |
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| 1 |
1.
Auch darum liegt die Formel Keine Macht den Drogen! voll
daneben. Die Drogenkinder wollen, daß der Stoff sie
ihrer selbst entmächtige, nämlich ihre ihnen von
innen her zuwachsende Erwachseneninstitutionalität
unverzüglich wieder rückbaue, wollen also Stoff,
welcher sie der hirnphysiologisch, wie dereinst körperlich
das Zahnen, auf sie andrängenden Aufgabe der Selbstverpersönlichung
enthebt. Im Hinblick auf diese kurz- und mittelfristige Entlastung
vom Erwachsenwerden diskontieren sie rational die zeitgleich
einsetzenden und schon deshalb gerade auch für sie selber absehbaren
Langzeitleiden. Daß die Sucht bei junkies, welche
die Aussicht aufs fünfte Jahrzehnt noch erleben, also in etwa
die 35 schaffen, in der Tat sich auszuwachsen pflegt, ist
ja bekannt. |

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| 2 |
2.
Die Drogenkriminalität der Union kam
schlagend ans Licht, als ihr frisch gebackener Drogenbeauftragter
- Name unerheblich - nicht zu sagen wußte, was ein turkey
ist. Nein, man muß das nicht wissen, aber wer es nicht weiß,
hat, anders als jene Sarah, das Buch der Christiane F. nicht gelesen. |

|
| 3 |
3.
Leben lernen wir nicht im collegium logicum,
können daher im Regelfall die institutionell vorgegebenen
richtigen Antworten auf Lebensfragen nicht aus dem
Stand zureichend begründen. Die Entintstitutionalisierungsstrategie
altkluger Kindmenschen jedweder Altersklasse pflegt daher zu
Unterminierungszwecken seit altersher die Standardformel Warum
eigentlich nicht? einzusetzen. Als ob wir entweder zu begründen
hätten, was wir fordern müssen - oder aber einzuknicken.
Auf solche Ätschmann/Bätschmann-Masche, auf die
kindische Whynottery-Tour gehört schlicht und
verblüffungsfest der grobe Keil Darum nicht!!! Ätsch! |

|
| 4 |
4.
Postwendend fälliger kommunalpolitischer return: Schuluniformen. |
 |
| 5 |
5.
Mit der sogleich das im typischen Fall (leider eben auch bei gestandenen
Eheleuten noch) auf Lebenswierigkeit angelegte seelische Aneinandervorbeileben
der Geschlechter anhebt. Die Jungen wollen den Drang von Fall zu
Fall ausleben, die Mädchen ihn in eine Lebensführung einbetten,
ihn einleben. (Mit der selbstverständlich sexistischen Pointe,
daß dies ja eher konservative Verlangen ihrer
hirnphysiologisch induzierten Selbstverpersönlichung als Sexobjekt
sich verdankt. Weiber denken immer nur an das eine.) Die Ehe ist
der institutionell, zunächst also von außen ansetzende,
Abgleich dieser auseinanderweisenden Einstellungen. Sie veralltäglicht,
quasiverweiblicht das männliche Drangverhalten. (Mit entgegenkommender,
wenn auch schwächerer, Quasivermännlichung des weiblichen,
nämlich sinkender Bereitschaftsschwelle, gelösterem Drangverhalten
also gegenüber dem Ehemann, und das widerlegt die ehewidrige,
von der CDU jedoch weitgehend mitgetragene, Gleichbewertung von
Vergewaltigung und Vergewaltigung in der Ehe.) Daß für
solche Einebnung natürlicher Unterschiede kein gleichgeschlechtlicher
Lebensabschnittsgefährte irgendeinen Sinn hat und haben kann,
ist der psychosoziale Urgrund gegen eine Verrechtlichung seiner
Beziehungskisten. Soziologisch kommt hinzu: Wegen des außerhalb
der Ehe auseinanderweisenden Drangverhaltens der Geschlechter dient
die staatliche Garantie der Ehe der Lebensordnung. (Ist übrigens
daher auch unabhängig von jeder Aussicht auf Nachkommenschaft
geboten.) Im gleichgeschlechtlichen Fall - bekanntlich können
die einschlägigen Lebensabschnittsgemeinschaften das jeweilige
Drangverhalten auch nicht nur ansatzweise anrühren (wozu allerdings
bei der weiblichen Grundversion auch primär weniger Anlaß
bestünde) - könnte davon offenbar keine Rede sein. Mit
der Einsetzung der Zivilehe als Institution hat im 19. Jhd. der
bürgerliche Staat das Lebensordnungsinteresse an der Ehe von
Kirchlichkeit unabhängig stellen wollen. Hätte die eine
oder andere Kirche seinerzeit auch gleichgeschlechtliche Paare einsegnen
wollen, hätte zur Vorschaltung einer zivilen Version auch in
diesem Fall kein Staat irgendeine Veranlassung gehabt. Kein Interesse!
Dabei bleibt es. Privatverträge mag schließen, wer immer
es will. |

|
| 6 |
6.)
Kaum eine Institutionalität ist ja nun rigoroser als die unserer
Stinkstiefel bis hin zu unseren unverbrüchlich datenschutzgenießenden
Kriminellen. Jedes Recht, das sie uns gegenüber ausbeuterisch
annullieren, wollen sie nicht etwa nur unter sich penibel respektiert
wissen, sondern vor allem auch von uns ihnen gegenüber, und
zwar mit charakteristischer Vehemenz sowie moralisierender Empörung,
sobald unsereiner es an seiner obligaten Lammfrömmigkeit denn
doch irgendwie fehlen läßt. |

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| 7 |
7.)
Johannes Freiherr Heereman, Malteser-Hilfsdienst Köln, kreidet
der FAZ mit Leserbrief an, daß diese eine Glosse
durchgelassen hat, in der ein Erich Mielke als sabbernder
Tattergreis bezeichnet worden war. Wer Verbrecher beschimpfen
will, darf sich partout nicht auf Sachverhalte beziehen, welche
ebenso auch anständige Menschen betreffen können. Unabhängig
davon, daß jener Herr in dieser Weise nicht, ohne Dritte zu
treffen, porträtiert werden kann, verbietet sich dieses von
selbst. Weil es nämlich vorab jenen dritten Menschen zu schonen
gilt, der man womöglich selber einmal sein muß. |

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| 8 |
8.
Auch im Privaten bahnt natürlich die eingelebte Einsicht, daß
der Tod wirklich sei, der praktischen Vernunft ihren Weg. Auch deswegen
ist die Testierfreiheit unantastbar. Und schon deswegen soll auch
der Fiskus seine Pfoten vom Erben lassen. |
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| 9 |
9.Mit
denen wir auch nicht, als mit Arbeitnehmern, in Vertragsbeziehungen
eingetreten sind, womit Unternehmer im gleichen Zug - ohne allerdings
wie Politiker legitimerweise darauf vergattert werden zu können
- Fremdverantwortung zu übernehmen pflegen. |
 |
| 10 |
10.Für
die Bild-Zeitung hat doch glatt eine 25-jährige BTag-Kandidatin
sich ablichten lassen, welche von ihrer Wahl einen Schritt in die
falsche Richtung sich verspricht: daß nämlich alsbald
nicht mehr die Alten, sondern eben die Jungen selber zu entscheiden
haben werden, wie diese künftig zu leben wünschen. Naseweis
drängt die Eigeninstitutionalität einer Twenkultur in
den Deutschen Bundestag! Der Blindflug in die Zukunft soll Gesetz
werden! Wie die heutige Jugend künftig leben soll, kann sich
ausschließlich aus der rückschauenden, jawohl: Erfahrung!
derer ergeben, die ihre Flausen ab etwa 40 und bis etwa 50 denn
doch schon sich abgeschminkt haben. Soweit diese sowie die noch
Vergreisteren das Sagen haben, könnte - und konnte - es einen
Fortschritt im Bewußtsein der Freiheit immerhin geben. |

|
| 11 |
11.
Ehedem war als privat im Kern zu respektieren, was jemand (1) in
einem Privatrahmen, vornehmlich den, fallweise auch im übertragenen
Sinn, eigenen vier Wänden, (2) legitimerweise unternahm, wobei
vor allem die Anschauungen betreffs Legitimität stets einem
gewissen Wandel unterworfen waren. Bestimmte nach Maßgabe
dieser Begriffsbestimmung private Betätigungen pflegten dabei,
weil schamträchtig, als in besonderer Weise privat zu gelten
- weshalb etwa der angelsächsische Sprachgebrauch bestimmte
Körperteile als private parts bezeichnet. Nunmehr soll unter
Wegfall jener beiden den fraglichen Fall allererst konstituierenden
Bedingungen als privat geradezu im Gegenteil zu respektieren sein,
was nur - in welchem Rahmen, wie legitim auch immer - den Gebrauch
jener Körperteile einschließt. So daß also Pinkeln
im Büro ab sofort als Privatsache à la Clinton zu gelten
hätte. Weil eben Pinkeln keinen was angeht - ist doch so, oder?
- Und das alles nur, um am Weltstammtisch im Trend zu liegen. |

|
| 12 |
12.
Nein, mitnichten wird hier pauschal der erste Stein (Jh 8,7) auf
jeden vom hier verhandelten Grundsachverhalt Betroffenen geworfen.
Sondern allein das standardmäßige Vor-Urteil wird erinnert,
von dem im Einzelfall auszugehen hätte, wer immer ein diesem
Einzelfall mit all seinen Umständen nun auch wirklich gerecht
werdendes Urteil sich zu bilden Veranlassung nehmen wollte oder
auch müßte. Nur bleibt nun allerdings jedem, der nicht
von Amts wegen mit solcher Urteilsbildung befaßt ist, selbstevident
unbenommen, von dieser - etwa bequemlichkeits- oder auch verkniffenererweise,
ganz nach Belieben! - fallweise auch Abstand zu nehmen, um sich
bis auf weiteres lieber an jenes dem Grundsachverhalt eben angemessene
Vor-Urteil halten zu wollen. Was sodann sich selbst zuzuschreiben
hätte, wer immer das, obwohl von jenem Grundsachverhalt betroffen,
umständehalber für ein Unrecht ihm gegenüber halten
sollte, was immer das in seinem Einzelfall auch bedeuten mag. |
 |
| 13 |
13.
Ist Ihnen eigentlich klar, warum jenes oben variierte Sprichwort
stimmt? Wer lügt, zwischendurch aber auch eine Wahrheit zu
Gehör bringt, tut dieses eben nicht aus diesem kühlen
Grunde, daß es nun einmal die Wahrheit und nichts als die
Wahrheit ist. Sondern weil diese ihm zufälligerweise für
diesesmal zupaß kommt. Die Stalins, Hitlers, Honeckers wie
eben auch jenes Hillie & Billie-Gesocks sind auch dann noch
verlogen, wenn sie, mit empört schwengelndem Stinkefinger,
uns damit kommen wollen, daß schließlich Zwei plus zwei
gleich vier sei. |

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| 14 |
14.
Was aber nun eben ganz gewiß nicht für jene unsägliche
Hillary gilt. Allerspätestens seit 1992, seit sie nämlich
von hier aus, cisatlantisch erlebbar ist, ist sie Mitvertuscherin,
also Mittäterin. Eine tolldreiste Gewohnheitsvolksbelügnerin,
deren oberstes Ziel die Machthaberei mittels eines ihr zwar nicht
in Ehe-, also Privat-, wohl aber in Staatsangelegenheiten willfährigen
Titularpräsidenten war, ist und bleiben wird. Wer mag, kann
mittlerweile nachlesen, daß dieses stinkstiefelige und kriminelle
Zocker- und Betrügerpärchen jenen deal schon seit offiziöser
Deklaration seiner Verbandelung (unter Normalitätswilligen:
Verlobung) abzieht. - Im übrigen mag der Hinweis nicht überflüssig
sein, daß im folgenden von allem kriminellen Dreck am Stecken
jenes Männchens abgesehen ist. Gegen den Weltstammtisch wird
unter der Fiktion verhandelt, daß es nur (!) um den Bruch
eines feierlichen Versprechens gehe. |

|
| 15 |
15.
Ist denn nun diesem gesamten Weltstammtisch wirklich restlos entfallen,
wie jene private, jene Liebe (!) im Büro dieses zu vergiften
pflegt? Wie sie, weil regelmäßig verheimlichungspflichtig
(warum eigentlich? ja warum!), unweigerlich die Kollegen in Ein-
und Uneingeweihte spaltet. Wie Gespräche verstummen, von Ausgrenzungsblicken
abgelöst werden, sobald ein solcher hinzutritt. (Und wenn dies
alles Privatsache wäre: Wer denn hätte, und wieso, ein
Recht auf klimavergiftende Diskretion?) Wie Sekretärinnen,
und zwar auch solche im öffentlichen Dienst, vorliegendenfalls
nämlich des Weißen Hauses, als Gelegenheitsmacherinnen
vernutzt werden. Wie zum Dienstgeheimnis von Secret Service-Officers
sich auswächst, welches groupie jeweils jetzt das Oval Office
kalauernd umdefiniert. So daß solche Beamte vom Chief Executive
der Groupies of America mit Feuern bedroht werden können, wenn
sie im Hinblick auf solchen Zugang zum Machthaber ein sodann keifendes
Konkurrenzgroupie, man denke, dienstwidrig ins Bild gesetzt haben.
- Aus der nach dem Maß unserer geistig-moralisch verfinsterten
Clinton/Schröder-Zeitläufte gewiß verkniffenen,
in der Sache jedoch hieb- und stichfest auszuweisenden Sicht des
Schreibers - ja, wer denn wollte nach alledem denn noch sich zutrauen,
ehrlich dagegenzuhalten?! - wäre jedes einzelne dieser Details
ein sattes impeachement wert. Und folgendes ist wohl immerhin auch
noch zu bedenken: Zwar konnte ein verehelichter deutscher Finanzminister
(CSU) BMF bleiben, nachdem er sich mit seiner Konkubine im TV gespreizt
hatte. Aber wer von den cisatlantischen Liebedienern des Privatlebens
eines US-Präsidenten würde den seinen entsprechende Auftritte
auf Bundeskanzleramtsfluren denn im Ernst für amtskompatibel
halten wollen? Das könnte, gerade auch nach dem Machtwechsel,
dann ja noch heiter werden. |

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16.
Auch Schmidt-Schnauze wird seine PTags-Kämpfe um die institutionelle
Programmatik der SPD durchgestanden haben. Gleichwohl ist, zumal
als Folie gegen Kohl, mehr als Anekdote, was Arnulf Baring (Machtwechsel,
S.666 ) zu berichten hat: Helmut Schmidt ließ sich auf dem
Parteitag erst blicken, als das Schlimmste vorüber war. Während
er am Präsidiumstisch Platz nahm, fragte er fröhlich Karl
Schiller: Na, ist viel Blödsinn beschlossen worden? |

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17.
Einen Anlaß, den Ausdruck gesundes Volksempfinden noch
zu meiden, gibt es an sich nicht. Spätestens seitdem organisierte
Shoaayatollahs auch noch den geheiligten Rechtsgrundsatz
Jedem das Seine zu PR-Zwecken der Politkorrekturanmaße
ihrer dämlichen fatwas unterworfen haben, ist fast jeder
von den Nazis gegriffene Ausdruck - bis hin zu Blut und Boden,
wobei allerdings zu beachten wäre, daß in Europa das
jus sanguinis freiheitlicher, das jus soli hingegen
militaristischer Herkunft ist - nunmehr als astrein und koscher
zu bewerten. Aber die in jenem seinerzeit von den Nazis gegriffenen
Ausdruck denn doch mitschwingende Nationalisierung dessen,
was ein normalitätswilliger Mensch, einer also, der
im Verhältnis zu Mit- und Nebenmenschen o.k. und insoweit eben
gesund ist, im Hinblick auf Gut und Böse, Recht und
Unrecht, recht und schlecht - wer im Ohr hat, daß letzteres
Wort an Ort und Stelle schlicht im Sinne von eben, grade
bedeutet, möge die Verballhornung verzeihen - empfindet,
ist nun doch so ganz koscher nicht. Hat eine begrenzte
Berechtigung doch allenfalls nur bei idiomatischen Lappalien, welche
das Kaliber etwa der Frage, ob man eher den Tee verzuckert oder
den Kaffee vermilcht, zumeist nicht allzu erheblich auswiegen dürften.
Was uns Menschen im Umgang mit Menschen unsere Menschenpflicht
jeweils gebietet, ist - diesseits ethnischer Primitivismen sowie
vor allem gravierender religiös-ideologischer Perversitäten,
die den clash of civilizations an die Wand schreiben, dem
die westliche Wertegemeinschaft sich endlich zu stellen hat
- Gemeingut von uns Menschen. - Was also meint CDU-Bundesvorsitzender
Schäuble, wenn er der Unionsfraktion, welcher er ebenfalls
vorsitzt, zum Neuen Jahr schreibt, daß Arbeit mehr als Gelderwerb
sei? Arbeit macht frei. |

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18.
Die Umwertung des Scheidungsrechts hatte ja ihren Vorlauf, war ihrerseits
schon Abzeichnung einer Werterosion, welche sie sodann prozyklisch
verstärkt hat. |
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19.
Ex definitione: Eine Ära, deren Zeitgenossen auch in ihrer
anerlebten Institutionalität zu überdauern so sehr gar
nicht mehr wünschen, daher auch den Nerv nicht mehr haben,
den kids gegenüber noch ihren Mann zu stehen. |
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| 20 |
20.
Da nun solche, die wegen der seinerzeit doch noch eingetretenen
Honorierung jenes Versprechens seither in Permanenz hellauf empört
sind, mitunter darauf verweisen, daß ohne die PDS-Stimmen
Bonn Hauptstadt geblieben wäre, ist hier nun allerdings allerverbindlichst
festzustellen: Modrow, Bisky und Konsorten haben mit einem Treppenwitz
der Demokratiegeschichte, einem practical stairways-joke sozusagen,
die Ehre der Quasselbude der BRD sowie dieselbe vor dem Jahrhundertgelächter
der Welt bewahrt, angesichts dessen der Beschluß dieses Hohen
Hauses, sein feierliches Versprechen im Nachhinein feierlich als
gar nicht so gemeint, nämlich als Sonntagsgeschwafel zu deklarieren,
alsbald ohnehin sich erledigt gehabt haben würde. |

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| 21 |
21.
das Wesen des [Rechtsgefühls] ist die Tat - wo es der
Tat entbehrt, verkümmert es und stumpft sich nach und nach
völlig ab
Reizbarkeit, d.h. Fähigkeit, den Schmerz
der Rechtskränkung zu empfinden [hier: institutionelle Substanz],
und Tatkraft, d.h. der Mut und die Entschlossenheit, den Angriff
zurückzuweisen [hier: institutionelle Energie], sind
die zwei Kriterien des gesunden Rechtsgefühls [hier: Institutionalität]
(Jhering, Der Kampf ums Recht, 1872). |

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| 22 |
22.
Sein Spott gegen die Journaille, die ihn nach gusto der Aussitzerei
sowie des Dreinschlagens bezichtige, ist demnach daneben. Er hat
eben immer wieder beides pixiert, und zwar - was leicht übertrieben
ist - das eine jeweils, wenn eher das andere angezeigt war. |
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| 23 |
23.
Ein provisorisches Inhaltsverzeichnis sei immerhin beigegeben: Sanierung
des Bundeshaushalts zu Lasten von Enteignungsopfern, wärmster
Dank an den habituellen Ehebrecher Eggert, BGA-Propaganda für
HWG von Jugendlichen unter diversen CDU-Gesundheitsministern, taktische
Präferenz für PDS im BTag, Unzucht (widernatürlich?)
mit PDS in Neuländerkommunen, offiziöse Gleichbewertung
von Wehr- und Zivildienstleistenden, Vernutzung des Buß- und
Bettags für Blüms Sozialkassen. - Für einschlägige
Erinnerungshinweise ist P-Connex dankbar. |
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24.
Zur Christo-Affäre ist das wahlpolitische Argument in Politische
Notizen Juno 97 (Anm.7) exemplarisch durchgeführt. |
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25.
Wie denn hätte er, nach diesem Fischzug im Trüben, mit
einem Herzkreuz für die Partei jenes Stimmenfischers - die
aber doch auch die seine ist und, so oder so, doch auch bleiben
wird - vor sich selber noch zum Ausdruck bringen können sollen,
was für ein Mensch er im Verhältnis zur Politik sein will?
Zumal ja nun ihm als schwarzem Kernwähler mit wenn auch bedingtem
Vorsatz direktemang auf die Gichtzehe getreten worden war, da es
ja nun einer Umfragemehrheit die Füße zu küssen
galt. Der virtuelle Wähler geht vor! die realen liefern umsonst!
Seit Mitte der 80er Jahre kämpft die CDU mit berechtigter Erfolglosigkeit
um die Wertgewandelten dieses neuen Deutschlands und treibt dafür
mit wenn auch bedingtem Vorsatz uns Kernschwarzwähler ins Dorfstammstischgenöhle,
welches im Vergleich nicht nur zu Kabinettssitzungen, sondern auch
zu CDU-Klausuren ganz gewiß gesund, o.k. und koscher ist und
gerade auch nach diesem unsäglichen Machtwechsel bleiben wird. |
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| 26 |
26.
Die allerdings für unsere rot/grünen Regenten verfassungstechnisch
erst dann von Interesse wäre, wenn sie auch den BTag derart
im Griff hätten. Ja, diese GAU-Perspektive für
die BTWahl 2/2 ist schon ziemlich weit hergeholt. Aber so
weit nun wohl doch nicht wie etwa die für Mülheim-Kärlich.
Daß die F.D.P. (sic) über ihre 5% letztendlich auch
bundesweit stolpert, ist zumindest eine Eins-zu-Eins-Wette wert.
Und dann müßte für den GAU die Union nochmals
2 oder 3 Mio. Wähler lassen, Rot/grün/blutrot nochmals
3 oder 2 Mio. zusätzlich einsacken. Und aus heutiger Sicht
als reichlich unwahrscheinlich kann nur letztere Teilrechnung
betrachtet werden - dürften doch nach den 100 Tagen allenfalls
noch die Grünwähler zu dieser Avanti Dilletanti-BReg
stehen können. Daß hingegen die Union nochmals abstürzt,
wird auch von leitenden Mitarbeitern unseres Konrad Adenauer-Hauses
nicht mehr ausgeschlossen. Der naseweis propagierte, wahlpolitisch
vertrottelte Verzicht der CDU - der Union? Stoiber hilf!
- auf die ja nun keineswegs nur taktisch-operativ, sondern
durchaus auch aus Vater-, aus Mutterlandsliebe angezeigte
Fundamentalopposition läßt doch eher unwahrscheinlich
aussehen, daß diese adenauerverlassene Partei in
vier Jahren das Niveau, auf die sie gesunken ist, wenigstens halten
könnte. Und schon haben wir den Salat: Die rot/grün/blutrote
Verfassungssouveränität kennt bis auf die Ausnahmen des
Art. 79 (3) GG keine legalen Grenzen mehr. Denn in Hessen wird sich
ja nun nichts wenden, während sowohl in Thüringen als
auch in Berlin die rot/grüne Machtperspektive - nachdem
man sich mit Blutrot zunächst nur ins Magdeburger
Stundenhotel begeben hatte, in Schwerin aber schon ein restauriertes
Bordell sozialistischer Einheitsparteilichkeit in nunmehr
eingetragener Partnerschaft betreibt - ziemlich rosig scheint. Das
würde in der Summe dann heißen:
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| 27 |
27.
Aber nun gewißlich auch in der Außenpolitik, mit der
Rückkehr nämlich zu der des grimmig- großen
John Foster Dulles: zum intransigenten Widerstand gegen das böse
Imperium sowie eins zu eins gegen alle von diesem in
alle Weltregionen ausgreifenden Machenschaften. Das Ergebnis ist
bekannt. Bis heute belügen sämtliche Medien in Deutschland
ihr allerdings geneigtes Publikum, indem sie evil empire
gezielt falsch übersetzen, um sodann über den religiös
getönten Verfolgungswahn eines Ronald Reagan sich verlustieren
zu können. |

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| 28 |
28.
Ausdrücklichst aber gilt dieser Leichtgewichtigkeitsbefund
nun gerade nicht für Geißler und Blüm, die beide
schwerernötige Herz-Jesu-Marxisten tatsächlich sind. Nur
sind sie, aus pragmatischer Sicht, eben doch nur programmatischer
Rückstand aus der Kristallisationsphase unserer Union, als
die von Weimar her überkommenen Parteiungen der Normalitätswilligen
sich in eins gefügt und damit der Bundesrepublik Deutschland
das Gesetz vorgeschrieben haben, nach welchem diese sodann angetreten
ist. Mittlerweile aber hat die spätkulturelle Postmoderne unsere
Normalitätswertigkeit zwar dem Scheine nach, die Herz Jesu-Marxisterei
jedoch wirklich überholt - so daß diese eben keine Wähler
mehr zieht. Weg mit bestem Dank, CDA. Welche ja mit einem Eppelmann
der Postendispatcher Kohl ohnehin schon längst zur Personalablage
relegiert hat. |

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| 29 |
29.
Dazu: Exkurs I: Parteiverdrossenheit gibt es nicht |
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30.
Zur Demoskopie: Exkurs II: Totenrennen |
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31.
Was nicht heißt, daß man sie nicht wahltaktisch zu fassen
kriegen könnte. Nur Hintze/Merkel, Müntefering/Schreiner
können das nicht, wohl aber die Neu-SED. |
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32.
Von diesem hat sich der damalige Kanzler in spe, welcher mittlerweile
tatsächlich als Kanzler auftritt, in eine mit Packkartons und
abgehängten Bildern ausstaffierte hannoveranische Staatskanzleistube
placieren lassen, um sodann inmitten dieser Requisiten als Kandidaturschauspieler
für das Foto zum Wirtschaftswocheninterview zu posieren. Daß
der Hombach glaubt, auf diese schmierenkomödiantische Weise
Zuversicht überbringen zu können, neutralisiert ihn als
Konkurrenz für P-Connex. Wer aber so was mit sich machen läßt,
ist ja nun wohl echt ein [zurück zum Text]. |

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| 33 |
33.
Schreiber gibt zu, daß er wieder einmal weiß, wovon
er schreibt. |

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24.
Lügenheiligkeit wird dabei 1789 im Glasauge haben,
den ersten Totalitarismus auf europäischem Boden.
Ferner auch Hegel, der zwar als Wortdenker vorgelesen und
geschrieben hat, dem jedoch dabei in gewolltem Gegensatz
zu jener Lugeminenz die Begriffe zu seinen mitunter
genauso hohlen Wörtern jedenfalls nicht durchgängig,
nein, eher nur im Ausnahmefall, gefehlt haben. Dann wäre
da noch die beknackte Psychoanalyse. Und will nun Ihro Andermund
womöglich gar den unsäglichen Darwinismus auf
seinen putativen Nazi-Index setzen? Hitler wie Habermas
sind Darwinisten, Schreiber ist es nicht. |

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