Von Platon zu Emy
oder Die institutionelle Lethargie der CDU
Ps 90,12
Der CDU sei die letzte Ehre angetan, ihre seit Mitte der 80er Jahre galoppierende Wählerschwindsucht in einen Dreijahrtausendzusammenhang zu stellen. Wieso also redet Emy, 24-jährige Discodeutsche mit türkischen Eltern, über die Jugend von heute wie vor knapp 2½ Tausend Jahren Platon über die Jugend von damals?
Alte Fragen, junge Antworten
Was ungefähr Emine, die Vertrauenswürdige, sowie der göttliche Platon gemeinsam uns zu verklickern haben, versteht sich von selbst und ist vor und nach der Zeitenwende zumindest in jedem Jahrhundert, eher wohl jedes Halbjahrhundert und in unseren schnellebigeren Zeiten eben schon jedes Jahrzehnt neu aufgelegt worden. Es ist kaum mehr als ein postmodernes Aperçu, daß Emy auf den Umgang der Kids der späten 90er mit Pappen, Peppen und Pillen abstellt. Wie harmlos war das doch alles zu meiner Zeit!
Damit muß sie im Kern so das Lustrum 1987/92 meinen, jeweils plus/minus. Eine Epoche also, die auf eine Christiane F. schon beschaulich zurückblicken konnte. Der Traum ausgewachsener verkorkster Geldbesitzer jedweder Orientierung, daß ihnen die jeweils gewünschte Kindersorte ohne Zwischenhändler verfügbar sei, war längst schon wahr geworden. Und damit das klar ist: Nicht der Stoff war und ist schuld, sondern die Kids wollten es jeweils nicht anders und werden es auch fürderhin nicht anders wollen.(1.)
Man schlage die Bild-Zeitung vom 29. Juni 1998 auf und lese auf S.4: Sarah, 13, in Worten: dreizehn, Jahre jung, aus dem ländlichen Norddeutschland und allerdings schon dort auf H geraten, liest das Buch der Christiane F.(2.) - und unwiderstehlich zieht es sie in die Babystrichmetropole, lockt sie der Bahnhof Zoo.
Zog es sie? Nein, sie sank hin. Den eigenen Weg hat sie gesucht, und die schmerzensreiche Frühgeschichte der Christiane hat ihr diesen gewiesen. Sex? Aber nein doch! Nicht mal Geld. Nur das selbstgewählte Leben. Zwar verkaufen sie sich für den Stoff, zuvor aber hat der Stoff ihnen den Strich geebnet. Mithin den eigenen Weg.
Die Jugendschelte der Jahrtausende, von Platon zu Emy, beklagt die Unvernunft dieser Wahl, und das ist lebensfremd. Wenn Kinder schon ihre Lebensform selber wählen können, müssen sie das auch tun, und so sie es müssen, können sie nur unvernünftig wählen. Denn sie können nun einmal nicht wissen, was sie tun.
Institutionen sind hergebrachte Richtigkeitsmuster: Antworten auf die ewige Lebensfrage, wie und wann - nicht auch: warum (3.) - man was tut. Also Institutionen brauchen, wie wir Noterwachsenen, so schon und erst recht die kids aller Zeiten. Damit sie nicht wählen müssen, sondern sich einordnen können. Und so sehr brauchen sie Institutionen, daß sie sogar von sich aus, sponte sua, scharf auf sie sind - Institutionen sind echt geil. Nur kennen können sie von sich aus keine - sind sie doch funkelnagelneu auf der Welt. Aber selbstredend liegt hiermit nun ein klarer Fall für zwei vor, sollte also an dieser Stelle allen Bengels und Gören die Ur-Institution auf die Sprünge helfen können: Vater und Mutter (und, mit Nachachtung der Gleichberechtigung, jawohl: hier nun einmal in dieser Reihenfolge). Die also allfälligerweise ihnen zu verklickern hätten, wo es denn nun für diesesmal lang zu gehen hat.
Das wären ja nun mehr oder weniger Banalitäten, wenn - ja wenn in diesen Platon/Emy-Tagen die Erwachsenenpotenz nicht wieder einmal auf die Rote Liste gerutscht wäre, dem Nachwuchs verbindlich, im Institutionalitäts-Modus zu verklickern, welche Richtungsentscheidung aus jeweiligem Anlaß denn nun angesagt ist. Sind es doch, wie eben im Auf und Ab der letzten 2½ Tausend Jahre immer öfter, heutzutage wieder einmal die teenies, welche Mutter und Vater nicht so sehr ehren, als ihnen vielmehr, so wie noch vor fünfzehn oder zehn Jahren nur die drei- oder vierjährigen Steppkes an den Bonbonkassen der Supermärkte, ihrerseits energisch verklickern, was im einzelnen an Nike-, Replay-, Gucci-Staffage sie so benötigen, sobald erst die Schule wieder anfängt.(4.) Alles was recht ist - Schule als ongoing Teenie-Opernball! Was man da wohl sonst noch so lernt?
Daß man den eigenen Weg gehen muß. Daß man das präpubertär fast so dringend wie die parallel keimende, ihrerseits lenkungsbedürftige Körperlüsternheit (5.) sich geltend machende Bedürfnis nach Institutionen wegen des Ausfalls aller an sich zuständigen Instanzen, by default mithin, selber stillen muß. Weil von den Zuständigen, weil von uns Opas und Omas, kaum jemand sich selber noch ernst genug nimmt, um gegenüber den kids Manns genug zu sein. Uns Omas, uns Opas, fehlt institutionelle Energie, und logischerweise würde das für unser Jungvolk die gähnende institutionelle Leere bedeuten, wenn - ja wenn eine solche überhaupt anthropologisch möglich wäre.
 
Kinder sind Menschen, und institutionsfreie Menschen, solche, die frei von vorgegebenen praktischen Antworten auf die ewige Frage wären, was man wann und wie tut, gibt es nur im Mutterleib (wo sie aber doch gleichwohl schon Menschen sind - oder?). Und so ist denn die Schulopernballsubkultur keineswegs die früheste Instanz der Eigeninstitutionalität der institutionell Alleingelassenen. Ihren eigenen Weg finden sie schon, aber eben nur strikt nach Maßgabe der wild sprießenden Institute ihrer eigenen Kindkultur. I sit and watch the children play / Doin’ things I used to do / They think are new … Nein - das ist wohl eher nicht, was sie so denken. Sondern in aller Unschuld unterstellen sie, daß die Spiele, die Regeln - die alten Fragen, die alten Antworten, da geht nichts darüber - just für sie da sind, gerade so wie die Sprache, ihnen auf die Seele geschrieben, just for fun. So werden Institutionen, die eben echt geil sind, eingelebt, einverseelt und lebenswirklich - wer auch immer sie angibt. Denn wenn nun die Kids erst einmal institutionell allein gelassen sind, beziehen sie ihre Institutionen halt by default von den anderen Kids, und zwar sodann naheliegenderweise von den jeweils anderweitig energischsten - bis hin zu den unter Kanther und Stoiber datenschutzgenießenden Mehmets, (6.) welche ja nicht nur von ihren Jasmins, sondern auch von deren Müttern angehimmelt werden.
 

… auf daß wir klug werden

Woher haben, zuletzt zu Adenauer-Zeiten, unsere Altvorderen, unsere Omas und Opas, noch die institutionelle Energie bezogen, welche uns abgeschlafften Enkeln nunmehr abgeht? Auf der Welt / ist kein Bestand / - wir müssen alle sterben. / Dieses ist uns wohlbekannt … Wir setzen also bei dem wiederum anthropologischen Datum an, daß wir, wenn schon, denn schon in Frieden fahren möchten. Um sich dem Memento mori zu stellen auch nur anzufangen, müssen die meisten von uns, denen Stalingrad oder Nam ja nun erspart geblieben ist, wohl die doppelte Fünf überschritten haben - es sind die kaum schon dreißigjährigen Söhne, die ihre Väter noch vergattern wollen: Do not go gentle into that good night! Auf der Poppelsdorfer Straßenkirmes hat heuer der Schreiber, längst ergraut, einen kuriosen Blick in einen Kinderwagen geworfen. Eine Mutter - nicht die des inliegenden Säuglings - hat seine tölpelige Unzuständigkeit nicht mehr für Tod, wohl aber immer noch für Geburt, ammenartig erspürt und gemeint, ihn aufklären zu sollen: Da ist ein Kind drin! Und ein 18 Monde junges Krabbelmädchen hat sich unermüdlich vorwärts bewegt, aber eben nicht eigentlich locker, sondern irgendwie erkennbar mit ebensoviel Aufwand wie aber doch auch wieder Vergnügen. Nach zwanzig Minuten hat Schreiber sich ein Herz gefaßt, hat das Kind wiedergesucht und den Vater befragt: Was ist mit dem Mädchen? Es ist doch krank. Der Vater war empört, teilte aber, auf die Bewegungsweise seines Kindes ausdrücklich angesprochen, immerhin mit, daß es soeben eine demnach wohl doch angezeigt gewesene Operation hinter sich gebracht habe. Alles sei gut gegangen und die Aussichten glänzend. Jeder Leser wird seiner lebensmutigen Tochter, und ihren sorgenden Eltern auch, von ganzem Herzen wünschen, daß alles in der Tat zum Besten sich richtet. (7.)
Über die mit all den Jahren zwingender werdende Aussicht auf den eigenen Tod hilft uns die übergreifende Aussicht hinweg, daß das Leben auch nach uns weitergeht. Auch dieserhalb ist unsere Oma-und-Opa-Freude am gedeihenden Leben ein weiteres anthropologisches Datum. Aber so manchem Menschen geht es um noch mehr. Im normativen, im Wertkern nämlich um nichts Geringeres als dieses: Daß es auch nach ihm, nach uns, schlecht und recht, weiter mit rechten Dingen zugehe. Und solches Wünschen nun, den Tod nicht allein in seinen Töchtern und Söhnen, sondern darüber hinaus auch in seiner lebenswierig anerlebten Institutionalität, in seinem Anstand also zu überdauern - Tod, wo ist dein Sieg? - ist die erste Stufe der Fernstensorge. Womit nun zunächst das Platon/Emy-Skandalon auf den Punkt zu bringen ist: Den Tod wollten wir Spätkulturellen schon ganz gern überdauern, aber eben - da wir uns selber kaum noch ernst nehmen können - nicht in erster Linie, und schon gar nicht unbedingt, in unserer selbsteigenen Institutionalität. Welche uns nämlich zur bloßen Privatsache - nein, schlimmer noch: zum eigenen Bier verkommen ist.
 

Politics, Politik und Parteien

Jene erste Stufe nun müssen wir zumindest schon erklommen haben, wenn wir auch zur Fremdverantwortungsfähigkeit noch empor wollen: zur Fähigkeit zur Verantwortung für andere als bloß für uns selber sowie für unsere Lieben. (8.) Mit anderen Worten: wenn wir zu verantwortlicher Politik fähig werden wollen. Fernstensorge aus Todessorge ist die charakterliche Voraussetzung der Fähigkeit zur Verantwortung für fremde Menschen, (9.) denen wir uns in einer uns selber überdauernden engeren oder weiteren Schicksalsgemeinschaft, vom Heimatdorf bis hin zu Menschheit und Schöpfung, verbunden wissen wollen.
Daß nun aber Politik ein schmutziges Geschäft ist, weiß der Volksmund. Das Tummelfeld der Sonstnichtskönner und zunehmend gar der Politosoziologen. Das Feld der organisierten Unverantwortlichkeit für riesige Schicksalsgemeinschaften ergreifende Zwangsbindungsakte. Andererseits aber gibt es ja auch die Politik als Beruf. Was die Angelsachsen, gewiß zum Entzücken von Max Weber, mit calling zu übersetzen pflegen: Politik als Berufung. Wie also wird einer von uns Sterblichen zur Politik berufen?
Politik als Berufung ist das über den eigenen Umkreis hinaus auf eine - in ihren einzelnen Mitgliedern unbekannte - Schicksalsgemeinschaft verallgemeinerte Bestreben, das Seine dazu beizutragen, daß im Rahmen dieser Schicksalsgemeinschaft das Leben schlecht und recht weitergehe. In dieser Einstellung wäre also Politik Institutionenpflege.
Nun sind ja nun viele Politiker auserwählt und wenige berufen. Auch von den Sonstnichtskönnern und Soziopolitologen abgesehen, sind sie eben auch nur Menschen. Deshalb, und letztlich wohl nur deshalb, ist es gut, daß es Parteien gibt. Ihre Aufgabe ist es, jeweils die institutionelle Programmatik zu statuieren, nach deren Maßgabe in ihrer Postenpyramide emporzukömmeln ist.
Man mag diesen Zeilen gerne entnehmen, daß jede berufene Politik „konservativ“ und jeder berufene Politiker „alt“ (10.) sei. Worauf es aber an dieser Stelle so sehr gar nicht ankommt. Sondern dieses ist der Punkt: daß die Christlich-demokratische Union in Nachkriegstrümmern als institutionenwiederherstellende und -pflegende Partei angetreten und vermöge dieser ihrer institutionellen Energie zu der das politische Gleichgewicht der daher ruhmreichen Bundesrepublik Deutschland nachhaltig bestimmenden Kraft geworden war, sowie in dieser Funktion unter der einzig auf Stellungssicherung bedachten sogenannten Führung von Helmut Kohl seit 1983 zunehmend versagt hat.
 
Privatsachen z.B.
Ehebruch, wie auch immer gang und gäbe, ist der Bruch eines - noch vor kaum 40 Jahren hätte man gesagt: heiligen, wir aber wollen dem Niveau unserer Kohl/Schröder-Zeitläufte nähertreten, indem wir immerhin noch sagen: feierlichen Versprechens. Noch vor 30 Jahren hätte kein Bundeskanzler es vermocht, solchen Wortbruch schnöselig als Privatsache (11.) zu verniedlichen. Wo doch schon bloße Privatlügen öffentlich relevant sein können. Sollte nicht, wer seine Frau belügt, im Zweifelsfall auch prospektive Geschäftspartner verladen wollen können? (Na klar, seine Frau führt er an der Nase vor, aber beim Gebrauchtwagenhandel mit mir ist er unverbrüchlich treudoof!) Um so mehr also hätte als Eichmaß (12.) zu gelten: Wer auch nur ein feierliches Versprechen bricht, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht. (13.) Und als privat kommt hier allenfalls in Betracht, wie der jeweils Betrogene mit dem Betrogensein umgeht.(14.) Aber zum 21. September 1998 hat ein Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, des ersten einigermaßen konsequenten demokratischen Verfassungsstaates „auf deutschem Boden“, der zudem auch noch ein christlich-demokratischer Kanzler war, öffentlich, und auch noch zu Wahlkampfzwecken, erklärt, Wortbrüchigkeit und Betrug könnten die öffentliche Geltung des wortbrüchigen Betrügers, dessen Privatsphäre (15.) ja nun zu respektieren sei, denn doch nicht schmälern.
Wie konnte es binnen 20, 30 Jahren zu diesem Abgrund von Kriterienverfall kommen? Der Mann firmiert ja nun als christlich - den mittlerweile auch in der CDU auf breitester Front eingerissenen Sprachverfall ins Spiegeldeutsch vom Christdemokraten hat er dankenswerterweise nie mitgemacht - einen christlichen Demokraten also will er sich genannt wissen. Ist aber - auch anderweitige Bewertungsaffären seinerseits legen das nahe - doch wohl eher ein Christdemokrat. Daß institutionelle Substanz, vor allem auch Energie ihm nicht von Hause aus abgehen, hat er auf dem Leipziger PTag im Herbst 97 gewiß nicht zum ersten, wohl auch nicht zum letzten Mal bewiesen. Da waren da die Leute, die einen ernsten Punkt hatten - gegen gentechnologische Untersuchungen an Behinderten. Mit gutem Recht wollte Kohl die Angelegenheit offen gehalten wissen und ist in eine Bresche gesprungen, von der wohl keiner zu sagen weiß, wer sonst sie in dieser gewichtigen - nein, diesmal nicht - Weise hätte füllen sollen. Der zeitgenössischen Genossen ist hier ohnehin nicht näher zu gedenken. Ob Trittin oder Hombach ist auf diesem Beritt eben gehupft wie gesprungen. Als moralische Instanz war schon der sich protestantisch gesalbt dünkelnde Helmut Schmidt, dem sowohl bei Papstaudienzen, die er goutierte, als auch bei Events mit Ronald Reagan, die er aus Überwertigkeitskomplexen stressig fand, seine unhanseatische Eitelkeit im Wege stand, diesem in sich politmoralisch intakten unbedarften Oggersheimer gegenüber a limine im Hintertreffen. (16.) (Willy Brandt ist ein Kapitel für sich, schnitte aber, immerhin als Fall mit tragischen Zügen, unterm Strich schlechter ab als Schmidt.) Kohl, der ein paar Stunden zuvor bei seiner offiziellen PTagrede so krass von der Rolle gewesen war, daß allenfalls exzessiver Medikamentenbeschuß, über dessen zu gewärtigende Nebenfolgen sie von den Ärzten vorab ins Bild gesetzt worden war, erklären kann, wieso seine, unsere Hannelore ihn nicht rigoros vom Pult geholt hat - dieser also seiner selbst kaum mehr mächtige Mann hat, jedes Handicap energisch abstreifend, zu einer Intervention sich ermannt, die seine seinerzeitigen Gegner, welche einen Punkt hatten, tief berührt hat - und manchen anderen auch, was ja nun diese Zeilen bezeugen.
Lassen wir also einstweilen ihn und seine jedenfalls überwiegend in stümperhafter Wahlpolitik begründeten Bewertungsexzesse beiseite. Aber allein Schreiber dieses hat im engen Bonner Raum sage und schreibe zwei Männer vom alten Schlag, von echtem Schrot und Korn geortet, die dem elenden Betrügerpräsidenten wie eben auch CDU-Bundesvorsitzender und Kanzler Helmut Kohl die Stange zu halten bereit sein wollten. Was um Himmels willen ist hier geschehen?
 
 
Schuld und Sorry, das war’s
Der alte Schelsky hat befunden, das neue Scheidungsrecht der 70er Jahre habe immerhin die Probleme des alten leidlich weggeschafft, dafür aber gerade diejenigen erneuert, zu deren Abwickelung das alte die Grundlagen bereitgestellt hatte. So wird es wohl gewesen sein, aber es ist noch schlimmer gekommen. Das neue Scheidungsrecht hat in der Bundesrepublik Deutschland an der Erosion des gesunden Menschenempfindens (17.) mitgewirkt, welche die westliche Welt insgesamt befallen hat. Seine Eckwerte seien daher hier durchbuchstabiert, damit ein wenn auch nur symptomatisches Modell von dem entstehe, was uns deutschen Menschenkindern hier in 40 Jahren (18.) widerfahren ist.

Wo ein wechselseitiges freies und wohlbedachtes feierliches, für alle Wechselfälle des Lebens und bis daß der Tod euch scheidet, statuiertes Versprechen sodann gleichwohl storniert wird, wird es wohl Schuld geben. Leitidee und gewollte Tendenz unseres spätkulturellen Scheidungsrechts ist die Ablösung desjenigen Verfahrens, das solche Schuld hochnotpeinlich zurechnet, durch einvernehmlichen Auflösungsvertrag. Zwei Geschäftspartner wickeln nunmehr unter gerichtsnotariellem Beistand eine Geschäftsbeziehung ab, deren Geschäftsgrundlage für einen oder beide sich erledigt hat. Sorry, das war’s.

 

Schon weil dies Verfahren unweigerlich jenes Versprechen ex post als beiderseits gar nicht so gemeint deklariert, bringt es ein ex ante-Niedrigerhängen der nach seiner Einsetzung geschlossenen Ehen mit sich. Vor allem aber greift in der Folge seine zentrale Tendenz, die der Enthaltung von Schuldzuweisung, auf die Lebensordnung schlechthin über. Impliziert sie doch wiederum die Enthaltung auch von der Bewertung des Verhaltens Dritter. U.a. vom spätkulturellen Scheidungsrecht strahlt ein Meinungsklima auf unsere Lebensordnung aus, welches Urteilsenthaltung in moralisch relevanten Angelegenheiten Dritter begünstigt. Wobei nicht eigentlich das eigene Urteil erodieren muß. Jeder einzelne normalitätswillige Mensch wird vielmehr für sich selber weiterhin unangenehm berührt bleiben, wenn er mitzuerleben hat, was der eine oder die andere sich so leistet. Was zuerst und nahezu unweigerlich erodiert, ist die Selbstsicherheit, in solchem Unbehagen, solcher Apprehension mit anderen Normalitätswilligen noch übereinzustimmen. Und allein damit schon hat die Erosion des moralischen Einvernehmens in einer Regelgemeinschaft freie Bahn. Das eigene Urteil wird ebenso zur Privatsache wie das Freilaufverhalten derer, die man als ehebrüchig nun nicht einmal mehr beurteilen mag. Was keiner mehr hören will, mag man schließlich auch selber nicht mehr denken, zuletzt gar nicht einmal mehr fühlen. Wieder einmal dämmert, unter Platons und Emys bangen Blicken, vor unser aller sehenden Augen, düster und entgeisternd eine augenzwinkernde und -zudrückende Ära institutioneller Lethargie (19.) herauf.




Auszug aus dem CDU-Lethargieregister
Der Reichstag war und ist Dem Deutschen Volke geweiht und ward schnöde dem Christo zugeführt. Nein, das hat nicht die CDU getan, wenn auch die Süßmuths und Scharrenbroichs ihren Labersenf wieder einmal reichlich dazugegeben haben. Und wie so gut wie immer, wie eben auch in der Hauptstadt- sowie der Abtreibungsfrage, hat CDU-Bundesvorsitzender und Kanzler Helmut Kohl korrekt gestimmt. Nur geschwiegen hat er dazu, und zwar nicht nur im Plenum. Sondern die Fraktion hat er im Vorhinein nicht zusammengeschissen, welches er vermag.
Das hat er auch 1991 nicht getan, als der Deutsche Bundestag als Gaunerkonvent zur Hauptstadtfrage (?) sich konstituierte, um auszubaldowern sowie feierlich, per Gesetz zu entscheiden, ob er sein zuerst vor 40 Jahren statuiertes und seither kontinuierlich, auch mit konkludenter alljährlicher Gesetzgebung, bekräftigtes feierliches Versprechen zu just dem Glücksmoment, in dem es freudig einzulösen er nun endlich in die Lage geraten war, nicht doch lieber brechen solle. (20.) Pflichtgemäß hat der Chronist hier einzutragen, daß er nunmehr die womöglich einzige Station der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland betrachtet, auf der die heutige Lafontaine-Partei dem moralischen Gebot der politischen Stunde eher sich gewachsen gezeigt hat als seine Union. Gewiß, auch die Sozis hatten ihre knapp 50-prozentige Bonnfraktion. Aber keineswegs nur der wiedergewendete, quasitragische Wiedervereinigungslebenslügner Willy Brandt, sondern gestandene Linksaußen wie Erhard Eppler und Jörg Jordan - der damals den Zeigefinger ins Innerste der Wunde gebohrt hat: die seinerzeitige Geschäftsgrundlage jenes feierlichen Versprechens hatte auf Punkt und Komma Bestand, neu war ganz allein nur genau dieses eine Winzdetail: daß es nunmehr allererst erfüllt werden konnte, und allein dies, und nichts, aber auch gar nichts sonst war der Anlaß jener Ganovendebatte - haben auf dem Bremer PTag der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, der Partei des Friedrich Ebert, des Kurt Schumacher, der Carlo Schmid, Adolf Arndt, Fritz Erler, diesen Bonnsozis in einer dem Chronisten aus seinem klopfenden schwarzen Herzen sprechenden Weise die Leviten gelesen. Und bei jener Gauner- und Ganovenabstimmung hat denn auch die SPD-Fraktion insgesamt besser gestanden als die der Union.
CDU-Bundesvorsitzender und Kanzler Kohl aber hat, wie gesagt, korrekt gestimmt sowie im Plenum und im Vorhinein in der Fraktion zur Sache geschwiegen. Für eine PTags-Debatte hatte er ohnehin keinen Anlaß sehen wollen. Was korrekt gewesen wäre, wenn - ja wenn nun diese unsere Partei insgesamt zu jenem Versprechen auch zu stehen noch den Anstand gehabt hätte, das ja gerade und vornehmlichst auch das ihre gewesen war.
Eine Mehrheit aus Oppositions- und Koalitionsabgeordneten des Deutschen Bundestages hat seinerzeit ein Pro Familia-Gesetz beschlossen, welches nach mit langwierigem Vorlauf wohlerwogener Auffassung der Mehrheit der Unionsfraktion - unter Einschluß des CDU-Bundesvorsitzenden und Kanzlers Kohl - verfassungswidrig war, welche Auffassung das BVG hernach bestätigt hat. Federführend an diesem verfassungswidrigen rot/grün/gelben Gesetz mitgewirkt hatte - nebst jener Dienstreisenden auf Tochtervisite - der von der CDU gestellte Vorsitzende des Rechtsausschusses des Deutschen Bundestages. Diese Stellung ist ihm gleichwohl erhalten geblieben, und zwar nicht etwa nur anstandshalber vor, sondern durchaus anstandslos ad libitum auch nach dem Spruch des BVG.
Womit nun die traurige Grundfigur hervortritt: Institutionelle Substanz gibt es in der CDU nach wie vor, aber auch nicht die Spur von Substanzpflichtigkeit. Substanz wird nicht durchgesetzt - institutionelle Lethargie statt Energie (21.) Anything goes. Und die Christlich-Demokratische Union Deutschlands zuschlechterletzt ja nun eben auch. Ätsch.
Warum bloß hat dieser unser Helmut Kohl Substanz nicht jeweils pünktlich in Energie umgesetzt? Von allfälliger stümperhafter Wahlpolitik abgesehen: Weil das nun mal nicht sein Saumagen ist. Was immer ihn in seiner Stellung als CDU-Bundesvorsitzender und Kanzler nicht zu stören schien, wollte er nur aussitzen. (22.) Ein Jürgen Echternach hat in mafioser Manier die Wähler der Hamburger CDU auseinander gejagt und ward daher von der dortigen Basis in einem überfälligen Akt der Selbstreinigung als Landesvorsitzender endlich abserviert. CDU-Bundesvorsitzender und Kanzler Kohl hat den Capo mit dem Posten eines Parlamentarischen Staatssekretärs in Bonn abgefunden. Wieso denn nun auch das noch? Ihm in seiner Stellung als Doppelspitze war jener ja nie verquer gekommen. Sondern bei allfälligen Abstimmungstelefonaten ihm jederzeit - Si, si, Padrone! si! - beflissentlichst willfährig gewesen.
Gewiß auf Drängen der wählerpolitisch einschlägig interessierten F.D.P. (sic), aber eben nonchalant hat die Union in unserer 12. Wahlperiode den Schutz männlicher Minderjähriger vor homosexueller Anmache gestrichen. Gewiß haben dabei Schmuddelwissenschaftler zur Verfügung gestanden, denen zufolge „heterosexuelle“ Jugendliche „homosexuell“ ohnehin nicht ansprechbar seien. Daß dies als den vom Rechtsgedanken her einzig relevanten Einzelfall deckende Behauptung gelogen ist, wissen insbesondere jene „Homosexuellen“ zu würdigen, deren Traumpartner just jener zwar „heterosexuelle“, in seiner Geschlechtspersönlichkeit aber noch nicht hinreichend gefestigte (was aus Sicht jenes Aspiranten allerdings nicht gerade ideal, aber realiter denn doch in Kauf zu nehmen ist) Jugendliche darstellt. Ein kurzer genauer Blick auf „homosexuelle“ Rituale primitiver Stämme auf Papua-Neuguinea kann überdies abschließend klären, daß männliche „Bisexualität“ in der Adoleszenz ohne weiteres andressierbar ist. Aber all diese Fakten werden hier nur einleitend referiert. Der todkranke Punkt ist die Begründung, auf welche in ihren Koalitionsvereinbarungen mit der F.D.P. (sic) die Union seinerzeit sich eingelassen hat: „Innerdeutsche Rechtsangleichung“! Das Recht der Bundesrepublik Deutschland, des ersten einigermaßen konsequenten demokratischen Verfassungsstaates, war dem „Recht“ der abzuwickelnden sogenannten DDR, des zweiten totalitären Staates, jeweils „auf deutschem Boden“, anzupassen!
So weit also war es damals schon gekommen. Die Kohl-Union hatte sich nunmehr bereit gefunden, sich im Hinblick auf den Schutz der werdenden Geschlechtspersönlichkeit am Recht eines Unrechtsstaates zu orientieren, der, eines eigenen Menschenschutzgedankens nun ganz gewiß nicht fähig, allein schon durch seine Existenz, deren Berechtigung die Brandt-SPD ihm schon ein paar Jahre früher nicht mehr hatte absprechen mögen, jeden ihm unterworfenen Menschen Tag für Tag vergewaltigt hatte.
Womit wir nun eigentlich beim freundlichen Kohl-Takevover der Blockflöten-CDU wären. Deren IM Czerny gerade in diesen traurigen Tagen erneut von der Versöhnung mit der SED sabbern darf, zu welcher nun just die Christlich-Demokratische Union Deutschlands berufen sei, deren institutionelle Energie einmal vier Jahrzehnte Bundesrepublik Deutschland alles in allem zu einem Glanzkapitelchen der Weltgeschichte gemacht hatte.
Aber es ist nun fürs erste genug. Dieses kleine Lethargieregister soll den CDU-geneigten Leser von altem Schrot und Korn schmerzen, nicht ihn ermüden. Es fortzusetzen und vorläufig abzuschließen, wäre gute 14 Tage Mühe und Arbeit, welche hier und jetzt nicht verlohnen. (23.) Wenden wir uns dem wahlpolitischen Schluß zu. Nein, die Wähler haben das alles nicht so getreulich registriert wie jetzt der unversöhnlich-getreuliche Chronist. Der mitdenkende Leser möge sich selber vergegenwärtigen, bei welchen der hier nur angerissenen CDU-Wertaffären das in welcher Weise gleichwohl der Fall gewesen sein mag. (24.)
Was hier zu erweisen war, ist aber nur dies: Eine Partei der Mitte, welche derart massiv von institutioneller Lethargie befallen ist, wird institutionelle Energie nicht mehr glaubhaft darstellen können, sobald flotte (?) Wahlkampfmanager den entsprechenden Symbolschwenk drei oder vier Wochen oder Monate vor der nächsten Wahl wieder einmal für opportun halten sollten. Wer unsere Gesetze nicht achtet, fliegt raus! Ha ha! Lachen ist gesund! Noch so einen! - Die Christlich-Demokratische Union Deutschlands vermag nicht mehr zu richten und ist daher gerichtet worden.

Schreiber hat - wobei ihm Kohls Clinton-Nummer den Rest gegeben hat (25.) - zum ersten Mal in seinem langen Wählerleben nichts, Emy bei ihrem ersten Mal FDP gewählt. Das Leben geht weiter.

 

Sweet Short Little Sixteens - Die Wählerbilanz
Was Alt-Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl nach sechzehn Jahren seiner, unserer Partei sowie unserem unter seiner halbwegs energischen Mitwirkung geeinigten deutschen Vaterland vor allem hinterläßt, ist eine verwüstete Wählerlandschaft. Schon mit der BTWahl 87, bei welcher der Vorsprung der schwarz/gelben Mitte vor Rot/grün von gut 4½ Mio. auf rund 3 Mio. Wählerstimmen abgeschmolzen war, hatte in der politischen Gleichgewichtslage der BR Deutschland eine nachhaltige Linksverschiebung eingesetzt, welche selbst bei der Wiedervereinigungsjubelwahl 90 noch deutlich wirksam geblieben, allerdings durch SPD-widrige Lafontaine-Effekte überlagert war. 94 hatte das rot/grüne/blutrote Linkslager faktisch den Gleichstand zur Mitte geschafft - gut 22 Mio. auf beiden Seiten. Und heuer hatten wir den vierten und kräftigsten Linksruck einzustecken. Das Linkslager hat 26 Mio. eingefahren, 5½ Mio. mehr als die Mitte. Auf Länderebene hatte die dort bereits 85 einsetzende Linksverschiebung bis 90 zum Verlust der Mehrheit der Mitte im BRat geführt. Sie wurde kurzzeitig wiederhergestellt, weil von den fünf neuen Bundesländern zunächst vier von der Mitte regiert worden waren, aber unterdessen ist die linke BRat-Mehrheit mittelfristig stabil und reicht fast schon an die Zweidrittelmehrheit. (26.)
In den USA hatte die Linke praktisch in der gesamten Nachkriegszeit bis Ende der 80er Jahre beide Häuser dominiert, und die in den 60er Jahren massiv einsetzende linke Sozialpolitik wurde im wesentlichen auch von den von 1969 bis 1977 amtierenden Präsidenten der Mitte mitgetragen. Die gesamten 80er Jahre waren dann aber bestimmt von einem von Präsidenten der Mitte ausgehenden radikalen Schwenk zur Mitte in Finanz- und Wirtschaftspolitik, (27.) die sich derart nachhaltig durchsetzen konnte, daß sie seit 1993 von einem Linkspräsidenten geradezu vollendet wurde, wobei jedoch von Bedeutung war, daß beide Häuser mittlerweile - und, soweit von hier aus absehbar, auch stabil - von der Mitte dominiert werden.
Um, nach sogar 18 Jahren, die Tories abzulösen, mußte in Großbritannien die Linke ihrerseits einen Mitteschwenk vollziehen, der unsere CDU teilweise schon links aussehen läßt. Ungeachtet aller von hier aus derzeit nicht abzugreifenden Linkskonzessionen, die Mr. Blair sich gestatten mag, ist jedenfalls absehbar, daß die New Labour-Regierung die nachhaltige Konsolidierung von Kernerrungenschaften der Glorious Thatcher-Revolution bedeutet. Weil, anders als in den USA, diese Mitteverschiebung durch die Linkspartei hindurchging, ist sie möglicherweise sogar als noch tiefgreifender zu bewerten.
Frankreich hat zwar eine vergleichbare Mitteverschiebung kaum absolviert. Aber immerhin hat Mitterand seine Linksprojekte während seiner ersten Amtszeit storniert, um wiedergewählt zu werden. (Diese seine Kehrtwendung hat sodann Clinton unter vergleichbaren Umständen kopiert.) Z.Zt. ist die Gleichgewichtslage Frankreichs erneut, wenn auch seitenverkehrt, von cohabitation bestimmt. Die Linksregierung legt erneut Linksprojekte auf, die wegen der Regierungsbeteiligung von Grünen und Kommunisten für diesesmal jedenfalls nicht ohne weiteres auch wieder auf Eis zu legen sein werden. In der Summe aber kann auch in Frankreich von einer Linksverschiebung kaum die Rede sein.

Dieser vorsichtige Befund dürfte im großen und ganzen für die gesamte OECD-Welt zutreffen - soweit sie eben nicht, wie USA und UK, eine deutliche Mitteverschiebung vollzogen hat. Eine sogar krasse Linksverschiebung seit den 80er Jahren gibt es demnach ganz allein nur in Deutschland. Unter Margret Thatcher bei den Konservativen, unter Ronald Reagan bei den Republikanern hatte institutionelle Energie immer die Oberhand.

 

Besenstielbonus

Die CDU-Frischlinge (das sind Wildschweinblagen) von Wulff bis Müller und zurück dürften auf der Blüm/ Geißler-Schiene um die von den resignierenden Alteigentümern abgestoßenen Posten buhlen wollen. Weniger wohl wegen verfehlter Wahlanalysen à la FAZ (Hefty), denenzufolge die unter Einschnitten leidenden Rentner, dem Sog rot/grüner Sozialwärme nachgebend, das ja nun ohnehin seit langem sinkende CDU-Schiff in Scharen verlassen hätten. Sondern eher an die natürlichen Grenzen ihrer programmatischen Phantasie stoßend - wo keine vergangenheitsfähige christlich-demokratische Programmatik von innen her gewachsen ist, hilft man sich halt mit Sozialklimbim aus. (28.)
Die Rentnerformel aber sticht schon deshalb nicht, weil ja nun eben die Union bei jeder BTWahl seit 1987 einschließlich Wähler in Millionenscharen gelassen hat. Und es gibt keinerlei Veranlassung, für den vierten Absturz in Reihe eine andere Erklärung zu suchen als für die ersten drei. Für den urteilenden, also nicht einfach nur Befragungsdaten fälschenden, Beobachter unerwartbar war allerdings das Ausmaß dieser heurigen Welle der CDU-Verdrossenheit. (29.) Und noch verblüffender war dies: daß die SPD satte 3 Mio. Stimmen zugelegt hat. Ob das wohl an Schröder liegt? (30.) Daß 20 Mio. Wähler durch diesen Lauluftballon nicht durchgeblickt haben, ist nicht weiter verwunderlich - selbst bei P-Connex mag einmal die Geistesverfinsterung geherrscht haben, in der er mit fast schon einem Halb-Blair zu verwechseln war.
Warum also hat ein seit dem 1. März von Lafontaine bis zur Willfährigkeit geknickter Schröder 3 Mio. Stimmen mehr eingefahren als Scharping vor vier Jahren, wieso Kohl nochmals 2,2 Mio. weniger? P-Connex analysiert Wahlergebnisse unter der methodischen Voraussetzung: Wechselwähler gibt es nicht. Genauer: Soweit es sie gibt, sind sie nicht wahlentscheidend. Womit sich obige Fragen wie folgt stellen: Wieso hat die Union nochmals 2,2 Mio. Wähler an die Enthaltung verloren, wieso die SPD 3 Mio. aus dieser zurückgeholt?
Wiederum aus methodischem Grund sind diese Bilanzsummen noch um die Neuländerteilbilanzen zu bereinigen. Mangels Wählersozialisation können die Ossis einfach noch nicht wählen - da benehmen sich an den Urnen Opas wie Teenies. Dort also gibt es Wechselwähler und wird es sie noch drei- bis fünfmal geben. (31.) - Damit also stellen sich die beiden Kardinalzahlen auf 1,5 Mio. Miese für die Union, 2,4 Mio. Gute für die SPD (jeweils im alten Wahlgebiet, jedoch unter Einschluß von Berlin-West).
Die fundamentalen Gründe für die stetige Wählerdrainage der CDU unter Kohl wurden eingangs betrachtet. Nehmen wir uns hier nur die SPD vor. Nein, auch deren Aufschwung ist nicht so ganz dem Schröder seiner. Linkswähler ticken anders. Zwar gilt auch für sie das P-Connex-Stammwähler-Theorem: mit ihrem Kreuz in der Einsamkeit der Wahlkabine wollen sie vor sich selber zum Ausdruck bringen, was für ein Mensch sie jeweils im Verhältnis zur Politik sein, für welche Werte sie also mit ihrer politischen Persönlichkeit einstehen wollen. Mittewähler neigen dazu, diese Wertprogrammatik als im zu wählenden Personal verkörpert, einverseelt, erkennen können zu wollen. Linkswähler fühlen abstrakter, sind sehr viel eher imstande, Herz und Kreuz an ein bloßes Textprogramm zu vergeben. Sowie ggfls. auch darüber hinwegzusehen, daß sie ihre Wertprogrammatik in der Persönlichkeit des Spitzenmannes nicht wiederfinden. (Und der Vorwahlhampelmann von Hombach, (32.) der Nachwahlhampelmann von Lafontaine hat ja auch keine.) Sozis gehen zur Gesinnungsbetätigung wählen, und einen Spitzenmann, der sie nicht - wie zuletzt 1972 Willy Brandt - geradezu anmacht, nehmen sie jedenfalls so lange billigend in Kauf, wie er ihnen in der Programmatik vorgelagerter Werte nicht in die Quere kommt. Das hat 1990 der SPD-Spalter Lafontaine mit seinem Lied vom Teilen Deutschlands geschafft, und 1996 bei den LTWahlen, vor allem in Baden-Württemberg, wegen seines hinterhältigen Putsches im Mannheimer Rosengarten ein halbes Jahr vorher.
Außerdem sind Sozi- eher als Unionswähler auch Siegwähler. Diese Fraktion eilt zur Urne, sobald sie den Sieg in der Nase hat. Und von 1983 bis 1994 ist sie daher zuhause geblieben. - Nein, der These vom programmatischen Wähler widerspricht das gerade nicht. Der gemeinsame Nenner ist das Freund-Feind-Moment. Der Programmsozi zeigt uns schwarzen Geldsäcken die rote Karte, und der Siegersozi will die Veränderung dieser Schwarzgeldwelt eigenherzkreuzig mitbewerkstelligt haben.
Basal also sind Sozis Besenstielwähler - und haben ja nun in etwa, was ihnen genügt hat und jetzt schon langt, nur eben wir leider auch -, und bei, sagen wir, 10 Prozent ist die Siegermentalität ausschlaggebend. Der Anteil am Zuwachs also, den der Besenstiel selber auf sein persönliches Konto verbuchen kann, wäre im groben wie folgt zu veranschlagen: Den Besenstielsozis ist er nicht grundwertig in die Quere gekommen, und den Siegersozis hat er Zuversicht eingeflößt - dabei kräftig abgestützt durch die unplausible Abermalskandidatur eines Kanzlers, der zum bloßen Kandidaten sich niedergemacht hatte. - Nun bleibt noch einzutragen, daß 1994 auch ein Rudolf Scharping, im Vergleich zu welchem ein Hans-Jochen Vogel ja als Charismatiker erstrahlt, den Sozis nicht grundwertig verquer gekommen ist. Es gibt ihn also wohl doch, den Schröder-Bonus. 500 Tausend Stimmen im alten Wahlgebiet plus Berlin-West - so um diesen Dreh. Das markante Gesicht, die sonore Stimme. Der Anteil der Neuen Mitte am SPD-Zuwachs ist von etwa dieser Quantität, genau dieser Qualität.

Korrolar
So sehr politcharakterlich verschieden, wie obige Analyse es nahelegt, sind die Mitte- von den Linkswählern nun allerdings auch wieder nicht. Auch eingefleischte Mittewähler können gleichsam sekundär zu Freund-Feind-Wählern werden. Dann nämlich, wenn sie der Freunde, also ihrer, unserer CDU, überdrüssig geworden sind. Welcher Mensch sie im Verhältnis zur Politik sein wollen, können sie nunmehr nicht mehr affirmativ, nicht mehr mit dem einsamen Kreuz für die Schwarzen vor sich selber zum Ausdruck bringen. Und regelmäßig weichen daher viele von ihnen auf eine Selbstdeklaration e contrario aus: Ich will einer bleiben, der gegen die Roten steht. Wer also schwarz nicht mehr wählen konnte, hat immerhin vorläufig noch gelb gewählt, weil Rot/grün für ihn der Feind eben doch gewesen und geblieben war.
Dieses also, en passant, zur „Leihstimmen“-Legende. Nicht nur hat die CDU niemals von sich aus Stimmen „verleihen“ können, wie die FDP einmal zu Recht gegen GS Hintze festgestellt hat. Sondern auch kein CDU-verdrossener Wähler hat jemals seine Stimme der FDP „geliehen“. Um sie also, sobald sie von dieser nicht länger benötigt werde, wieder dem Konto der CDU zuzuführen. Der FDP ward gegeben, aber - was Kinkel bezeugen könnte, wenn er das könnte - der F.D.P. (sic) ward auch wieder genommen, und die CDU schaut immer noch perplex in die Kohl/Geißler, -Rühe, -Hintze-Röhre. Seit 1987 hat die F.D.P. (sic) CDU-Verdrossenen jeweils nur als Zwischenstation vor der Wahlenthaltung gedient.
 
 
Exkurs I: Parteiverdrossenheit gibt es nicht
Verdrossen sind jeweils Stammwähler dieser oder jener Partei. Selbstverständlich gibt es faktisch auch Wechselwähler. Ihre Kernmerkmale dürften, alternativ oder additiv, Jugendlichkeit und Verbildung, vulgo: Intellektualität, sein. Der gemeinsame Nenner: Twens und ewige Studenten sind in der Dauerverlegenheit, ein reifes Verhältnis zur Politik zu kultivieren nicht oder noch nicht imstande gewesen zu sein, teilen also ihre Kreuze nicht nach Maßgabe einer ihnen von innen her zugewachsenen politischen Persönlichkeit, sondern nach Gutdünken zu. Was sie zu vergeben haben, ist eben kein Herz-, sondern nur ein bloßes Bleistiftkreuz, an welchem nichts hängt. Hier also gilt: Wer gar nicht erst geliebt hat, kann sich auch nicht betrogen fühlen. Wer hingegen in die Reife des Stammwählerstatus schon eingetreten war und hernach seiner Partei überdrüssig geworden ist, verzichtet auf den somit leider gegenstandslosen gewordenen Urnengang - sein Herzkreuz, mit dem er vor sich bekennen könnte, für welche Werte er als politische Persönlichkeit einstehen will, kann auf jenem Zettel seinen Ort ja nun nicht mehr finden -, wählt mithin - niemals remutiert ein Herz- zum Bleistiftkreuzwähler - keineswegs die anderen Fritzen. Von den Wahlforschern jedoch, ihrerseits ewigen Studenten, wird er unweigerlich als parteiverdrossen verrechnet, wiewohl er mit irgendwelchen anderen Parteien schon längst nichts mehr am Hut gehabt hatte. Der kurze Sinn: Es gibt nur CDU-, SPD- usf. Verdrossenheit. (Der Vollständigkeit halber ist in diesen Befund die eine Ausnahme von allerdings systematischem Gewicht noch einzutragen: Nicht allzu rar ist die Erscheinung, daß ab Mitte des vierten Lebensjahrzehnts die Linkswählerei sich auswächst.) (33.) - Die CSU übrigens hat die gegen Unionsverdrossenheit angezeigte Strategie ins Organisationsstatut eingebaut: wegen ihres Sonderstatus innerhalb der Union wurde und wird sie bei LTWen für die Macken der Kohl-CDU von ihren Wählern nicht im gleichen Ausmaß in Mithaftung genommen wie die CDU-Landesverbände. Die programmatische Bodenständigkeit kommt - seit der BTWahl 94 auch wieder auf Bundesebene - zu diesem organigrammatischen Vorteil allerdings hinzu.

 

Exkurs II: Totenrennen
Haben im Hinblick auf immerhin zwei den urteilenden Beobachter auf dem falschen Fuß erwischenden Paukenschläge die Kaffeesatzverrührer nicht doch richtiger gelegen? Die ja zwar in letzter Minute bis auf Allensbach auf den Phantomzug des Kopf-an-Kopf-Rennens - der Landeswahlleiter NRW hatte schon ausgerechnet, daß die Wahl von den rund 10.000 bis zum Wahltag bereits verstorbenen Briefwählern entschieden werden könne - gesprungen sind, zuvor aber über Monate hinweg Union und SPD in den nach Maßgabe des Ergebnisses annähernd richtigen Größenordnungen gehandelt hatten. Nein, sie haben noch falscher gelegen. Prophezeiungen auf Umfragenbasis sind auch laut Selbstauskunft dieses Miljöhs um so zuverlässiger, je dichter sie zeitlich an der Wahl liegen. Also: Totenrennen war ihrer Weisheit letzter Schluß.
Und nun zu Allensbach: Die vermeintlich treffende letzte Prophetie vom Bodensee beruhte auf einer Stichprobe, die laut Selbstauskunft zu 20% aus noch Unentschlossenen - also nicht etwa: zur Wahlenthaltung Entschlossenen - bestand. Von einer Stichprobe demnach, die nur 80% Entschlossene aufzuweisen hatte, hat Allensbach auf eine Grundgesamtheit schließen wollen, die ex definitione zu 100% aus Entschlossenen bestehen würde. Da ein solcher Schluß wissenschaftlich absolut unzulässig ist (vgl. Politische Notizen August 97), hat Allensbach also auch nur geraten. Im kritischen Moment Nerven behalten ist die Kernkompetenz der Hasadeurs. So manchem Leser werden nach dem rot/grünen September Privatgurus über den Weg gelaufen sein, die, möglicherweise sogar zu Recht, sich rühmen, ähnlich gut geraten zu haben. Nun gut, Allensbach hat seinen Tip drucken lassen. Aber Fehldrucke gibt es gerade auch von Allensbach reichlich.
Und damit zur Hauptsache: Die anderen Loddels des Meinungsmiljöhs haben zum Schluß sogar - ganz gegen ihre Gewohnheit - zu Prognosen auch der Wahlbeteiligung sich verstiegen. Und zwar nicht etwa auf Umfragenbasis, sondern im Genuß des stolzen Selbstbetrugs - zuweilen gönnen sie sich das Vergnügen, in erster Linie sich selber und uns nur sekundär zu leimen -, wegen ihrer sensationellen Falschprophetie eines spannenden Kopf-an-Kopf-Rennens würden die Wähler dem Sog der Urnen nicht widerstehen können. Nun wird einerseits praktisch jede Wahl im Kern durch differentielle Wahlbeteiligung der jeweiligen Potentiale entschieden. Und andererseits müßte eine auf Befragungsbasis beruhende belastbare Prognose ohnehin konkludent auch die (aus diesen Beteiligungsgradienten in Verbindung mit der habituell verankerten Basiswahlenthaltung resultierende) Gesamtwahlbeteiligung prognostizieren können.
Wer auf Befragungsbasis ernsthaft zu prognostizieren beansprucht, muß also auch die Wahlbeteiligung prognostizieren können. Damit ist den Befragungspropheten der Königsweg zur Seriosität gewiesen. Ab sofort mögen sie darauf verzichten, ihre Befragungsdaten in Prozentzahlen umzurechnen. Um sie statt dessen auf absolute Stimmenzahlen für die diversen Parteien hochzurechnen, inklusive eines Sammelbetrags für alle, die da ferner laufen werden. (Alternativ könnten sie auch Prozente, dann aber auch die der Wahlbeteiligung, verkünden.) Wer mit einer solchen Prognose am Wahlabend richtig läge, hätte einen - wissenschaftlich, genauer: statistisch-methodisch, freilich immer noch ungedeckten - Anspruch auf den Kranz für eine nicht nur im Ergebnis passende, sondern vor allem auch nicht ohne weiteres als Tip wegzuwischende Prognose. In Prozentzahlen (unter Auslassung der Wahlbeteiligung) ausgedrückte Treffer hingegen sind per se Glückstreffer. Woraus umgekehrt folgt: daß die Befragungsprognostiker Betrüger sind, erhellt schon daraus, daß sie ihre Befragungsdaten in Prozente umrechnen sowie die Wahlbeteiligung außen vor lassen.

 

Mahnmalerei
(wok) In Mahnmalen versinnbildlichen Gemeinschaften gemeinsame Schicksale. Geteilte Freud’, öfter aber wohl geteiltes Leid. (Es war frivol, aus Anlaß unserer Wiedervereinigung den 17. Juni durch den 3. Oktober, den Schmerzens- durch den Freudentag abgelten zu wollen.) Mahnmale errichten Schicksalsgemeinschaften zumal jenen, die mehr für sie geopfert haben als andere.
Da wird nun, per Zwangsbindungsakt, von einem Churchill, Roosevelt oder Johnson, oder eben auch von den Hitler- und Stalindioskuren, ein junger Mann in einen Krieg geschickt, und nun ist er also totgeschossen, und wie er nun so daliegt, kann - was ja nun vorkommt - keiner ihn noch kennen. Wer aber nun ihm nahegestanden hat - Eltern, Kinder, vertrautes Weib - trauern ihm nach, aber wo denn nun? Im Herzen, klar doch, in der Seele, aber es ist nun einmal ein anthropologisches Datum, daß wir trauern wollen können, wo uns, wenn auch wider alle Vernunft, die leibliche, sogar leibseelische Gegenwärtigkeit dessen, der uns hat verlassen müssen, immerhin doch schon wieder vorstellbar und in einem würdigen Rahmen daher sogar auch irgendwie fühlbar ist. Seit zwölftausend Jahren gibt es, als eine Ur-Institution, dieserhalb Friedhöfe. Aber wo denn nun hat jener in einen Krieg geschickte junge Mann seine bleibende Statt? An welcher Eltern, Kinder, vertrautes Weib ein paar Minuten stillen Gedenkens sich abverlangen und gönnen könnten? Weil wir, unsere Schicksalsgemeinschaft, diesen stillen Ort ihnen niemals werden weisen können, errichten wir jenem in einem Krieg, der, wenngleich Verbrechenskrieg der Hitlers und Himmlers, zwangsläufig ein auch unsere deutsche Schicksalsgemeinschaft in Anspruch nehmender Krieg war, unbekannterweise gefallenen jungen Mann, sowie mit ihm allen, denen es wie ihm ergangen ist, ein Mahnmal. Nein, niemandem hilft das noch wirklich, aber wir müssen es tun. Dem Mann und denen, welche ihm nahe gestanden haben, und zwar auch, wenn diese es gar nicht haben wollten, sowie uns selbst als Schicksalsgemeinschaft sind wir das schuldig. Denn nur so können wir in aller Form und vor jenen wie vor uns selber bekennen, daß wir zu würdigen wissen wenigstens wollen, was sie unserer Schicksalsgemeinschaft opfern mußten, wir aber, zuletzt sogar selbst jene noch, welche doch selber dabei sein mußten, zum Glück aber davongekommen sind, letztlich ja nun nicht.
Deserteure haben gemeinhin Namen und Adresse, sind kenntlich, sogar Talk Show-tauglich geblieben und haben einiges mehr für sich getan als viele, viele andere. Dem unbekannten Clinton mag sein Heldengrab schaufeln, wer immer dies mögen mag, aber nicht mit uns.
Mahnmale künden von Taten, welche geschehen - namens einer Schicksalsgemeinschaft. Eine solche ist auch unser Vaterland, unsere deutsche Nation. Verbrechen aber nun, welche namens dieser unserer deutschen Nation, unseres Vater- und Mutterlandes zu verbrechen eine massenmörderische Verbrecherclique beanspruchen wollte, sind eines nationalen, eines Mutter- und Vaterlandesmahnmals nicht fähig. Denn damit würde jene Verbrecherclique nachträglich - ohne jeden Anlaß in der Sache - nicht nur schlechthin als seinerzeitige Sachwalterschaft unserer deutschen Schicksalsgemeinschaft, sondern darüber hinaus ausdrücklich auch noch hinsichtlich ihrer Endlösung als solche zertifiziert. So als hätten wir für diese unseren guten deutschen Namen jemals hergeben wollen. Wer unserer deutschen Schicksalsgemeinschaft ein nationales Holocaust-Mahnmal aufdrücken und unterjubeln, ihr also Schuld aufladen will, entlastet die Nazis. So als hätten diese nur stellvertretend, repräsentativ, für unsere deutsche Nation gehandelt. Und wer die Hitlers und Himmlers im Nachhinein als Volksvertreter deklariert, vergreift zugleich sich am Schicksal ihrer Opfer: so als wären sie Opfer nicht bewaffneter Verbrecher, sondern friedlicher Bürger, wie z.B. meiner Mutter, meines Vaters, als deren Auftraggeber geworden.
Die diversen Mahnmalsmanager sind, wie Gutmenschen alle, bösartig. Indem sie verstorbenen wie ungeborenen Generationen die Schuld an der Shoa anhängen, die bigotte Kollektivschuldthese nicht sowohl verbal wieder auflegen als vielmehr in trojanische Dominosteine gießen wollen, sprechen sie zugleich selber als Ankläger sich frei. Sind es doch sie, die unermüdlich pharisäisch den Anderen das Angedenken auforganisieren, welchen sodann anders als ihnen die Gedächtnishölle gebührt. Und daß nun diese, was in unserem Men-, unserem -schen, ja unserem Menschensinn - lesen Sie! was doch geschrieben steht! - Auschwitz bedeutet, nicht auch nur ahnen, geschweige denn fühlen wollen können, bezeugt zwingend ihr sowohl faktisches wie taktisches Desinteressement am Archipel GULAG.
So hat denn vor zwei Jahrzehnten schon der linke Lügenpapst Habermas sich sowohl wie allen linken Intellektuellen den Lorbeerkranz gesteckt, daß in der Bundesrepublik Deutschland doch sie es gewesen seien, welche trotz der massiven gesellschaftlichen Restauration die Erinnerung an den Nazismus und an die Traditionen, mit denen dieser gebrochen - die abgründige Verlogenheit jenes hier zitierten Linkspapstes tritt schlagend ans Licht, indem dieser, nur um uns weniger Linkgewirkten an die Wäsche, mit jenen Nazis in eine Schußlinie manövrieren zu können, diesen unverfroren schamlos konzediert, daß sie mit irgendwelchen Traditionen (34.) zunächst irgendwas am Braunhemd gehabt, sodann aber, wie eben auch - und das ist der Linksw…ereipunkt - wir nicht so sehr Linkgewirkten, schnöde mit diesen gebrochen hätten - hatte, wachgehalten hätten, um sodann zur Selbstapotheose sich zu versteigen: daß eben diese linken Intellektuellen es seien, die heutzutage für jene Traditionen einstehen, gegen die 1933 ein deutsches Regime angetreten ist. Also eine sich selber verhimmelnde W…linke mit ihrer Unschuld an unserer Shoa als Vorlage hüben, und drüben wir als gesamtdeutscher Rest in der den Nazis jederzeit genehmen Ecke.
Ich nun gedenke, Vater und Mutter sowie die Wahrheit zu ehren, indem ich um keinen Preis die Hitlers und Himmlers als deren Stellvertreter gelten lasse. Meinerseits genieße ich die von eben jenem Menschenschlag, der jetzt in Mahnmalerei macht, seinerzeit, weil sie ihnen ihre vorstehend skizzierte linke Tour zu vermasseln geeignet schien, bösartig, mit Abnicken aus Geißler-Eminenzstuben im sogenannten Adenauerhaus, verhöhnte Gnade der späten Geburt, und werde sie mir von niemandem nehmen lassen. Welcher Leser würde sie seinen Nachfahren von einer Lea Rosh oder einem Lügenpapst entziehen lassen wollen?

 

 

  Fußnoten  
1 1. Auch darum liegt die Formel Keine Macht den Drogen! voll daneben. Die Drogenkinder wollen, daß der Stoff sie ihrer selbst entmächtige, nämlich ihre ihnen von innen her zuwachsende Erwachseneninstitutionalität unverzüglich wieder rückbaue, wollen also Stoff, welcher sie der hirnphysiologisch, wie dereinst körperlich das Zahnen, auf sie andrängenden Aufgabe der Selbstverpersönlichung enthebt. Im Hinblick auf diese kurz- und mittelfristige Entlastung vom Erwachsenwerden diskontieren sie rational die zeitgleich einsetzenden und schon deshalb gerade auch für sie selber absehbaren Langzeitleiden. Daß die Sucht bei junkies, welche die Aussicht aufs fünfte Jahrzehnt noch erleben, also in etwa die 35 schaffen, in der Tat sich auszuwachsen pflegt, ist ja bekannt.

 

2 2. Die Drogenkriminalität der Union kam schlagend ans Licht, als ihr frisch gebackener Drogenbeauftragter - Name unerheblich - nicht zu sagen wußte, was ein turkey ist. Nein, man muß das nicht wissen, aber wer es nicht weiß, hat, anders als jene Sarah, das Buch der Christiane F. nicht gelesen.

 

3 3. Leben lernen wir nicht im collegium logicum, können daher im Regelfall die institutionell vorgegebenen richtigen Antworten auf Lebensfragen nicht aus dem Stand zureichend begründen. Die Entintstitutionalisierungsstrategie altkluger Kindmenschen jedweder Altersklasse pflegt daher zu Unterminierungszwecken seit altersher die Standardformel Warum eigentlich nicht? einzusetzen. Als ob wir entweder zu begründen hätten, was wir fordern müssen - oder aber einzuknicken. Auf solche Ätschmann/Bätschmann-Masche, auf die kindische Whynottery-Tour gehört schlicht und verblüffungsfest der grobe Keil Darum nicht!!! Ätsch!

 

4 4. Postwendend fälliger kommunalpolitischer return: Schuluniformen.
5 5. Mit der sogleich das im typischen Fall (leider eben auch bei gestandenen Eheleuten noch) auf Lebenswierigkeit angelegte seelische Aneinandervorbeileben der Geschlechter anhebt. Die Jungen wollen den Drang von Fall zu Fall ausleben, die Mädchen ihn in eine Lebensführung einbetten, ihn einleben. (Mit der selbstverständlich sexistischen Pointe, daß dies ja eher „konservative“ Verlangen ihrer hirnphysiologisch induzierten Selbstverpersönlichung als Sexobjekt sich verdankt. Weiber denken immer nur an das eine.) Die Ehe ist der institutionell, zunächst also von außen ansetzende, Abgleich dieser auseinanderweisenden Einstellungen. Sie veralltäglicht, quasiverweiblicht das männliche Drangverhalten. (Mit entgegenkommender, wenn auch schwächerer, Quasivermännlichung des weiblichen, nämlich sinkender Bereitschaftsschwelle, gelösterem Drangverhalten also gegenüber dem Ehemann, und das widerlegt die ehewidrige, von der CDU jedoch weitgehend mitgetragene, Gleichbewertung von Vergewaltigung und Vergewaltigung in der Ehe.) Daß für solche Einebnung natürlicher Unterschiede kein gleichgeschlechtlicher Lebensabschnittsgefährte irgendeinen Sinn hat und haben kann, ist der psychosoziale Urgrund gegen eine Verrechtlichung seiner Beziehungskisten. Soziologisch kommt hinzu: Wegen des außerhalb der Ehe auseinanderweisenden Drangverhaltens der Geschlechter dient die staatliche Garantie der Ehe der Lebensordnung. (Ist übrigens daher auch unabhängig von jeder Aussicht auf Nachkommenschaft geboten.) Im gleichgeschlechtlichen Fall - bekanntlich können die einschlägigen Lebensabschnittsgemeinschaften das jeweilige Drangverhalten auch nicht nur ansatzweise anrühren (wozu allerdings bei der weiblichen Grundversion auch primär weniger Anlaß bestünde) - könnte davon offenbar keine Rede sein. Mit der Einsetzung der Zivilehe als Institution hat im 19. Jhd. der bürgerliche Staat das Lebensordnungsinteresse an der Ehe von Kirchlichkeit unabhängig stellen wollen. Hätte die eine oder andere Kirche seinerzeit auch gleichgeschlechtliche Paare einsegnen wollen, hätte zur Vorschaltung einer zivilen Version auch in diesem Fall kein Staat irgendeine Veranlassung gehabt. Kein Interesse! Dabei bleibt es. Privatverträge mag schließen, wer immer es will.

 

6 6.) Kaum eine Institutionalität ist ja nun rigoroser als die unserer Stinkstiefel bis hin zu unseren unverbrüchlich datenschutzgenießenden Kriminellen. Jedes Recht, das sie uns gegenüber ausbeuterisch annullieren, wollen sie nicht etwa nur unter sich penibel respektiert wissen, sondern vor allem auch von uns ihnen gegenüber, und zwar mit charakteristischer Vehemenz sowie moralisierender Empörung, sobald unsereiner es an seiner obligaten Lammfrömmigkeit denn doch irgendwie fehlen läßt.

 

7 7.) Johannes Freiherr Heereman, Malteser-Hilfsdienst Köln, kreidet der FAZ mit Leserbrief an, daß diese eine „Glosse“ durchgelassen hat, in der ein Erich Mielke als „sabbernder Tattergreis“ bezeichnet worden war. Wer Verbrecher beschimpfen will, darf sich partout nicht auf Sachverhalte beziehen, welche ebenso auch anständige Menschen betreffen können. Unabhängig davon, daß jener Herr in dieser Weise nicht, ohne Dritte zu treffen, porträtiert werden kann, verbietet sich dieses von selbst. Weil es nämlich vorab jenen dritten Menschen zu schonen gilt, der man womöglich selber einmal sein muß.

 

8 8. Auch im Privaten bahnt natürlich die eingelebte Einsicht, daß der Tod wirklich sei, der praktischen Vernunft ihren Weg. Auch deswegen ist die Testierfreiheit unantastbar. Und schon deswegen soll auch der Fiskus seine Pfoten vom Erben lassen.
9 9.Mit denen wir auch nicht, als mit Arbeitnehmern, in Vertragsbeziehungen eingetreten sind, womit Unternehmer im gleichen Zug - ohne allerdings wie Politiker legitimerweise darauf vergattert werden zu können - Fremdverantwortung zu übernehmen pflegen.
10 10.Für die Bild-Zeitung hat doch glatt eine 25-jährige BTag-Kandidatin sich ablichten lassen, welche von ihrer Wahl einen Schritt in die falsche Richtung sich verspricht: daß nämlich alsbald nicht mehr die Alten, sondern eben die Jungen selber zu entscheiden haben werden, wie diese künftig zu leben wünschen. Naseweis drängt die Eigeninstitutionalität einer Twenkultur in den Deutschen Bundestag! Der Blindflug in die Zukunft soll Gesetz werden! Wie die heutige Jugend künftig leben soll, kann sich ausschließlich aus der rückschauenden, jawohl: Erfahrung! derer ergeben, die ihre Flausen ab etwa 40 und bis etwa 50 denn doch schon sich abgeschminkt haben. Soweit diese sowie die noch Vergreisteren das Sagen haben, könnte - und konnte - es einen Fortschritt im Bewußtsein der Freiheit immerhin geben.

 

11 11. Ehedem war als privat im Kern zu respektieren, was jemand (1) in einem Privatrahmen, vornehmlich den, fallweise auch im übertragenen Sinn, eigenen vier Wänden, (2) legitimerweise unternahm, wobei vor allem die Anschauungen betreffs Legitimität stets einem gewissen Wandel unterworfen waren. Bestimmte nach Maßgabe dieser Begriffsbestimmung private Betätigungen pflegten dabei, weil schamträchtig, als in besonderer Weise privat zu gelten - weshalb etwa der angelsächsische Sprachgebrauch bestimmte Körperteile als private parts bezeichnet. Nunmehr soll unter Wegfall jener beiden den fraglichen Fall allererst konstituierenden Bedingungen als privat geradezu im Gegenteil zu respektieren sein, was nur - in welchem Rahmen, wie legitim auch immer - den Gebrauch jener Körperteile einschließt. So daß also Pinkeln im Büro ab sofort als Privatsache à la Clinton zu gelten hätte. Weil eben Pinkeln keinen was angeht - ist doch so, oder? - Und das alles nur, um am Weltstammtisch im Trend zu liegen.

 

12 12. Nein, mitnichten wird hier pauschal der erste Stein (Jh 8,7) auf jeden vom hier verhandelten Grundsachverhalt Betroffenen geworfen. Sondern allein das standardmäßige Vor-Urteil wird erinnert, von dem im Einzelfall auszugehen hätte, wer immer ein diesem Einzelfall mit all seinen Umständen nun auch wirklich gerecht werdendes Urteil sich zu bilden Veranlassung nehmen wollte oder auch müßte. Nur bleibt nun allerdings jedem, der nicht von Amts wegen mit solcher Urteilsbildung befaßt ist, selbstevident unbenommen, von dieser - etwa bequemlichkeits- oder auch verkniffenererweise, ganz nach Belieben! - fallweise auch Abstand zu nehmen, um sich bis auf weiteres lieber an jenes dem Grundsachverhalt eben angemessene Vor-Urteil halten zu wollen. Was sodann sich selbst zuzuschreiben hätte, wer immer das, obwohl von jenem Grundsachverhalt betroffen, umständehalber für ein Unrecht ihm gegenüber halten sollte, was immer das in seinem Einzelfall auch bedeuten mag.
13 13. Ist Ihnen eigentlich klar, warum jenes oben variierte Sprichwort stimmt? Wer lügt, zwischendurch aber auch eine Wahrheit zu Gehör bringt, tut dieses eben nicht aus diesem kühlen Grunde, daß es nun einmal die Wahrheit und nichts als die Wahrheit ist. Sondern weil diese ihm zufälligerweise für diesesmal zupaß kommt. Die Stalins, Hitlers, Honeckers wie eben auch jenes Hillie & Billie-Gesocks sind auch dann noch verlogen, wenn sie, mit empört schwengelndem Stinkefinger, uns damit kommen wollen, daß schließlich Zwei plus zwei gleich vier sei.

 

14 14. Was aber nun eben ganz gewiß nicht für jene unsägliche Hillary gilt. Allerspätestens seit 1992, seit sie nämlich von hier aus, cisatlantisch erlebbar ist, ist sie Mitvertuscherin, also Mittäterin. Eine tolldreiste Gewohnheitsvolksbelügnerin, deren oberstes Ziel die Machthaberei mittels eines ihr zwar nicht in Ehe-, also Privat-, wohl aber in Staatsangelegenheiten willfährigen Titularpräsidenten war, ist und bleiben wird. Wer mag, kann mittlerweile nachlesen, daß dieses stinkstiefelige und kriminelle Zocker- und Betrügerpärchen jenen deal schon seit offiziöser Deklaration seiner Verbandelung (unter Normalitätswilligen: Verlobung) abzieht. - Im übrigen mag der Hinweis nicht überflüssig sein, daß im folgenden von allem kriminellen Dreck am Stecken jenes Männchens abgesehen ist. Gegen den Weltstammtisch wird unter der Fiktion verhandelt, daß es nur (!) um den Bruch eines feierlichen Versprechens gehe.

 

15 15. Ist denn nun diesem gesamten Weltstammtisch wirklich restlos entfallen, wie jene private, jene Liebe (!) im Büro dieses zu vergiften pflegt? Wie sie, weil regelmäßig verheimlichungspflichtig (warum eigentlich? ja warum!), unweigerlich die Kollegen in Ein- und Uneingeweihte spaltet. Wie Gespräche verstummen, von Ausgrenzungsblicken abgelöst werden, sobald ein solcher hinzutritt. (Und wenn dies alles Privatsache wäre: Wer denn hätte, und wieso, ein Recht auf klimavergiftende Diskretion?) Wie Sekretärinnen, und zwar auch solche im öffentlichen Dienst, vorliegendenfalls nämlich des Weißen Hauses, als Gelegenheitsmacherinnen vernutzt werden. Wie zum Dienstgeheimnis von Secret Service-Officers sich auswächst, welches groupie jeweils jetzt das Oval Office kalauernd umdefiniert. So daß solche Beamte vom Chief Executive der Groupies of America mit Feuern bedroht werden können, wenn sie im Hinblick auf solchen Zugang zum Machthaber ein sodann keifendes Konkurrenzgroupie, man denke, dienstwidrig ins Bild gesetzt haben. - Aus der nach dem Maß unserer geistig-moralisch verfinsterten Clinton/Schröder-Zeitläufte gewiß verkniffenen, in der Sache jedoch hieb- und stichfest auszuweisenden Sicht des Schreibers - ja, wer denn wollte nach alledem denn noch sich zutrauen, ehrlich dagegenzuhalten?! - wäre jedes einzelne dieser Details ein sattes impeachement wert. Und folgendes ist wohl immerhin auch noch zu bedenken: Zwar konnte ein verehelichter deutscher Finanzminister (CSU) BMF bleiben, nachdem er sich mit seiner Konkubine im TV gespreizt hatte. Aber wer von den cisatlantischen Liebedienern des Privatlebens eines US-Präsidenten würde den seinen entsprechende Auftritte auf Bundeskanzleramtsfluren denn im Ernst für amtskompatibel halten wollen? Das könnte, gerade auch nach dem Machtwechsel, dann ja noch heiter werden.

 

16 16. Auch Schmidt-Schnauze wird seine PTags-Kämpfe um die institutionelle Programmatik der SPD durchgestanden haben. Gleichwohl ist, zumal als Folie gegen Kohl, mehr als Anekdote, was Arnulf Baring (Machtwechsel, S.666 ) zu berichten hat: Helmut Schmidt ließ sich auf dem Parteitag erst blicken, als das Schlimmste vorüber war. Während er am Präsidiumstisch Platz nahm, fragte er fröhlich Karl Schiller: „Na, ist viel Blödsinn beschlossen worden?“

 

17 17. Einen Anlaß, den Ausdruck gesundes Volksempfinden noch zu meiden, gibt es an sich nicht. Spätestens seitdem organisierte Shoaayatollahs auch noch den geheiligten Rechtsgrundsatz Jedem das Seine zu PR-Zwecken der Politkorrekturanmaße ihrer dämlichen fatwas unterworfen haben, ist fast jeder von den Nazis gegriffene Ausdruck - bis hin zu Blut und Boden, wobei allerdings zu beachten wäre, daß in Europa das jus sanguinis freiheitlicher, das jus soli hingegen militaristischer Herkunft ist - nunmehr als astrein und koscher zu bewerten. Aber die in jenem seinerzeit von den Nazis gegriffenen Ausdruck denn doch mitschwingende Nationalisierung dessen, was ein normalitätswilliger Mensch, einer also, der im Verhältnis zu Mit- und Nebenmenschen o.k. und insoweit eben gesund ist, im Hinblick auf Gut und Böse, Recht und Unrecht, recht und schlecht - wer im Ohr hat, daß letzteres Wort an Ort und Stelle schlicht im Sinne von eben, grade bedeutet, möge die Verballhornung verzeihen - empfindet, ist nun doch so ganz koscher nicht. Hat eine begrenzte Berechtigung doch allenfalls nur bei idiomatischen Lappalien, welche das Kaliber etwa der Frage, ob man eher den Tee verzuckert oder den Kaffee vermilcht, zumeist nicht allzu erheblich auswiegen dürften. Was uns Menschen im Umgang mit Menschen unsere Menschenpflicht jeweils gebietet, ist - diesseits ethnischer Primitivismen sowie vor allem gravierender religiös-ideologischer Perversitäten, die den clash of civilizations an die Wand schreiben, dem die westliche Wertegemeinschaft sich endlich zu stellen hat - Gemeingut von uns Menschen. - Was also meint CDU-Bundesvorsitzender Schäuble, wenn er der Unionsfraktion, welcher er ebenfalls vorsitzt, zum Neuen Jahr schreibt, daß Arbeit mehr als Gelderwerb sei? Arbeit macht frei.

 

18 18. Die Umwertung des Scheidungsrechts hatte ja ihren Vorlauf, war ihrerseits schon Abzeichnung einer Werterosion, welche sie sodann prozyklisch verstärkt hat.
19 19. Ex definitione: Eine Ära, deren Zeitgenossen auch in ihrer anerlebten Institutionalität zu überdauern so sehr gar nicht mehr wünschen, daher auch den Nerv nicht mehr haben, den kids gegenüber noch ihren Mann zu stehen.
20 20. Da nun solche, die wegen der seinerzeit doch noch eingetretenen Honorierung jenes Versprechens seither in Permanenz hellauf empört sind, mitunter darauf verweisen, daß ohne die PDS-Stimmen Bonn Hauptstadt geblieben wäre, ist hier nun allerdings allerverbindlichst festzustellen: Modrow, Bisky und Konsorten haben mit einem Treppenwitz der Demokratiegeschichte, einem practical stairways-joke sozusagen, die Ehre der Quasselbude der BRD sowie dieselbe vor dem Jahrhundertgelächter der Welt bewahrt, angesichts dessen der Beschluß dieses Hohen Hauses, sein feierliches Versprechen im Nachhinein feierlich als gar nicht so gemeint, nämlich als Sonntagsgeschwafel zu deklarieren, alsbald ohnehin sich erledigt gehabt haben würde.

 

21 21. … das Wesen des [Rechtsgefühls] ist die Tat - wo es der Tat entbehrt, verkümmert es und stumpft sich nach und nach völlig ab … Reizbarkeit, d.h. Fähigkeit, den Schmerz der Rechtskränkung zu empfinden [hier: institutionelle Substanz], und Tatkraft, d.h. der Mut und die Entschlossenheit, den Angriff zurückzuweisen [hier: institutionelle Energie], sind … die zwei Kriterien des gesunden Rechtsgefühls [hier: Institutionalität] (Jhering, Der Kampf ums Recht, 1872).

 

22 22. Sein Spott gegen die Journaille, die ihn nach gusto der Aussitzerei sowie des Dreinschlagens bezichtige, ist demnach daneben. Er hat eben immer wieder beides pixiert, und zwar - was leicht übertrieben ist - das eine jeweils, wenn eher das andere angezeigt war.
23 23. Ein provisorisches Inhaltsverzeichnis sei immerhin beigegeben: Sanierung des Bundeshaushalts zu Lasten von Enteignungsopfern, wärmster Dank an den habituellen Ehebrecher Eggert, BGA-Propaganda für HWG von Jugendlichen unter diversen CDU-Gesundheitsministern, taktische Präferenz für PDS im BTag, Unzucht (widernatürlich?) mit PDS in Neuländerkommunen, offiziöse Gleichbewertung von Wehr- und Zivildienstleistenden, Vernutzung des Buß- und Bettags für Blüms Sozialkassen. - Für einschlägige Erinnerungshinweise ist P-Connex dankbar.
24 24. Zur Christo-Affäre ist das wahlpolitische Argument in Politische Notizen Juno 97 (Anm.7) exemplarisch durchgeführt.
25 25. Wie denn hätte er, nach diesem Fischzug im Trüben, mit einem Herzkreuz für die Partei jenes Stimmenfischers - die aber doch auch die seine ist und, so oder so, doch auch bleiben wird - vor sich selber noch zum Ausdruck bringen können sollen, was für ein Mensch er im Verhältnis zur Politik sein will? Zumal ja nun ihm als schwarzem Kernwähler mit wenn auch bedingtem Vorsatz direktemang auf die Gichtzehe getreten worden war, da es ja nun einer Umfragemehrheit die Füße zu küssen galt. Der virtuelle Wähler geht vor! die realen liefern umsonst! Seit Mitte der 80er Jahre kämpft die CDU mit berechtigter Erfolglosigkeit um die Wertgewandelten dieses neuen Deutschlands und treibt dafür mit wenn auch bedingtem Vorsatz uns Kernschwarzwähler ins Dorfstammstischgenöhle, welches im Vergleich nicht nur zu Kabinettssitzungen, sondern auch zu CDU-Klausuren ganz gewiß gesund, o.k. und koscher ist und gerade auch nach diesem unsäglichen Machtwechsel bleiben wird.
26 26. Die allerdings für unsere rot/grünen Regenten verfassungstechnisch erst dann von Interesse wäre, wenn sie auch den BTag derart im Griff hätten. Ja, diese GAU-Perspektive für die BTWahl 2/2 ist schon ziemlich weit hergeholt. Aber so weit nun wohl doch nicht wie etwa die für Mülheim-Kärlich. Daß die F.D.P. (sic) über ihre 5% letztendlich auch bundesweit stolpert, ist zumindest eine Eins-zu-Eins-Wette wert. Und dann müßte für den GAU die Union nochmals 2 oder 3 Mio. Wähler lassen, Rot/grün/blutrot nochmals 3 oder 2 Mio. zusätzlich einsacken. Und aus heutiger Sicht als reichlich unwahrscheinlich kann nur letztere Teilrechnung betrachtet werden - dürften doch nach den 100 Tagen allenfalls noch die Grünwähler zu dieser Avanti Dilletanti-BReg stehen können. Daß hingegen die Union nochmals abstürzt, wird auch von leitenden Mitarbeitern unseres Konrad Adenauer-Hauses nicht mehr ausgeschlossen. Der naseweis propagierte, wahlpolitisch vertrottelte Verzicht der CDU - der Union? Stoiber hilf! - auf die ja nun keineswegs nur taktisch-operativ, sondern durchaus auch aus Vater-, aus Mutterlandsliebe angezeigte Fundamentalopposition läßt doch eher unwahrscheinlich aussehen, daß diese adenauerverlassene Partei in vier Jahren das Niveau, auf die sie gesunken ist, wenigstens halten könnte. Und schon haben wir den Salat: Die rot/grün/blutrote Verfassungssouveränität kennt bis auf die Ausnahmen des Art. 79 (3) GG keine legalen Grenzen mehr. Denn in Hessen wird sich ja nun nichts wenden, während sowohl in Thüringen als auch in Berlin die rot/grüne Machtperspektive - nachdem man sich mit Blutrot zunächst nur ins Magdeburger Stundenhotel begeben hatte, in Schwerin aber schon ein restauriertes Bordell sozialistischer Einheitsparteilichkeit in nunmehr eingetragener Partnerschaft betreibt - ziemlich rosig scheint. Das würde in der Summe dann heißen: …

 

27 27. Aber nun gewißlich auch in der Außenpolitik, mit der Rückkehr nämlich zu der des grimmig- großen John Foster Dulles: zum intransigenten Widerstand gegen das böse Imperium sowie eins zu eins gegen alle von diesem in alle Weltregionen ausgreifenden Machenschaften. Das Ergebnis ist bekannt. Bis heute belügen sämtliche Medien in Deutschland ihr allerdings geneigtes Publikum, indem sie evil empire gezielt falsch übersetzen, um sodann über den religiös getönten Verfolgungswahn eines Ronald Reagan sich verlustieren zu können.

 

28 28. Ausdrücklichst aber gilt dieser Leichtgewichtigkeitsbefund nun gerade nicht für Geißler und Blüm, die beide schwerernötige Herz-Jesu-Marxisten tatsächlich sind. Nur sind sie, aus pragmatischer Sicht, eben doch nur programmatischer Rückstand aus der Kristallisationsphase unserer Union, als die von Weimar her überkommenen Parteiungen der Normalitätswilligen sich in eins gefügt und damit der Bundesrepublik Deutschland das Gesetz vorgeschrieben haben, nach welchem diese sodann angetreten ist. Mittlerweile aber hat die spätkulturelle Postmoderne unsere Normalitätswertigkeit zwar dem Scheine nach, die Herz Jesu-Marxisterei jedoch wirklich überholt - so daß diese eben keine Wähler mehr zieht. Weg mit bestem Dank, CDA. Welche ja mit einem Eppelmann der Postendispatcher Kohl ohnehin schon längst zur Personalablage relegiert hat.

 

29 29. Dazu: Exkurs I: Parteiverdrossenheit gibt es nicht
30 30. Zur Demoskopie: Exkurs II: Totenrennen
31 31. Was nicht heißt, daß man sie nicht wahltaktisch zu fassen kriegen könnte. Nur Hintze/Merkel, Müntefering/Schreiner können das nicht, wohl aber die Neu-SED.
32 32. Von diesem hat sich der damalige Kanzler in spe, welcher mittlerweile tatsächlich als Kanzler auftritt, in eine mit Packkartons und abgehängten Bildern ausstaffierte hannoveranische Staatskanzleistube placieren lassen, um sodann inmitten dieser Requisiten als Kandidaturschauspieler für das Foto zum Wirtschaftswocheninterview zu posieren. Daß der Hombach glaubt, auf diese schmierenkomödiantische Weise Zuversicht überbringen zu können, neutralisiert ihn als Konkurrenz für P-Connex. Wer aber so was mit sich machen läßt, ist ja nun wohl echt ein [zurück zum Text].

 

33 33. Schreiber gibt zu, daß er wieder einmal weiß, wovon er schreibt.

34 24. Lügenheiligkeit wird dabei 1789 im Glasauge haben, den ersten Totalitarismus „auf europäischem Boden“. Ferner auch Hegel, der zwar als Wortdenker vorgelesen und geschrieben hat, dem jedoch dabei in gewolltem Gegensatz zu jener Lugeminenz die Begriffe zu seinen mitunter genauso hohlen Wörtern jedenfalls nicht durchgängig, nein, eher nur im Ausnahmefall, gefehlt haben. Dann wäre da noch die beknackte Psychoanalyse. Und will nun Ihro Andermund womöglich gar den unsäglichen Darwinismus auf seinen putativen Nazi-Index setzen? Hitler wie Habermas sind Darwinisten, Schreiber ist es nicht.

 

     
     
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