Frei nach Cliff Barnes And the Fear of Winning
Sie opfern sich als Kanzlerkandidat für die Union? Und wissen noch nicht so recht, wie Sie wirklich zuverlässig abschmieren? Hier erste heiße Tips:
Vorbereitend klarstellen, daß die Ökoschwindelrentensteuer bescheuert ist. Um so wählerwirksamer sodann Ihr Bekenntnis zur Politimpotenz: Auch wenn ich Kanzler von Deutschland bin – abschaffen kann ich den Blödsinn ja doch nicht. (frei nach Spiegel 12/2002) Schon liegen sie flach! (Dem rechten, zum Treffer ausholende Bein grätscht das linke dazwischen – akrobatisch!)
Wink: Nachfassen: Legen Sie die Konsequenzen offen:
„Konservativ“ sein heißt: Was Rot/grün angerichtet hat, ist zu bewahren – hier aus fiskalischen Gründen. (fiskalisch konservativ sein bedeutet: wo der deutsche Fiskus steht, bleibt er stehen) Weiter so, Deutschland! einmal rot/grün – immer rot/grün.
Die Rente ist so sicher wie die Ökosteuer.
Preisen Sie die Erfolge der US-Wirtschaftsreformen, um sogleich müde abzuwinken: Auch wenn ich Kanzler von Deutschland bin – ich bin doch kein Ronnie...(ich brings nur wie Clinton) (frei nach Spiegel) Von noch höherem Wirkungsgrad als die Eigengrätsche! Denn:
die anderen werden einräumen müssen, das sie gar nicht können wollen. was Reagan gekonnt hat. Dafür werden sie unfehlbar Stimmen aus dem Sozialstaatslager hinnehmen müssen!
Umgekehrt können Sie sich außer denjenigen Wählern, welchen die soziale Mißwirtschaft der letzten 30 Jahre langsam stinkt, auch solche sich vom Halse schaffen, die hören wollen, was ein Kandidat sich (und vor allem ihnen selber – das ist das leadership-Ding) zutraut.
Fazit: Zwischen sämtliche Stühle kann man sich gekonnter kaum setzen!
Warnung!!! Auf keinen Fall qualifizieren! Irgendein Redenschreiber könnte Ihnen weitschweifigere Formulierungen unterjubeln wollen (Redezeit strecken!), welche jedoch die Niederlage keineswegs mehr gewährleisten, sondern Sie im Gegenteil sogar an den Rand des Sieges bringen könnten. Und dies, obgleich Sie, was Ihr Handeln als Kanzler angeht, mit diesen Weitschweifigkeiten praktisch nichts mehr in Aussicht gestellt hätten als mit den unverfälschten Abschmierparolen! Echt tückisch! Hüten Sie sich also vor Wischiwaschi wie:
„Ich will [schon diese zwei Worte darf ein Ferner liefen-Kandidat nicht äußern – wieder die leadership-Falle!] die Ökosteuer abschaffen, kann aber nicht versprechen, daß dies in den ersten vier Jahren gelingt [allein die Andeutung, daß man an Macht auch längerfristig interessiert ist, kann die Niederlage kosten!]
Wirtschaftspolitische Reformen nach USA-Muster sind derzeit in Deutschland nicht sofort durchsetzbar. Ein Grund mehr dafür, daß wir den Machtwechsel brauchen. Um in den ersten vier Jahren die seit 30 Jahren überfällige [der Schlingel will Sie gegen den CDU-Sozialdemokratisierer Kohl positionieren, um Sie mit Stimmen ehemaliger CDU-Wähler zuzuschütten] geistig-moralische Wende immerhin schon mal anzuleiern.
6.August 2002
3. Alle Achtung, Herr Pappkandidat! So beratbar wie Sie war noch kein P-Connex-Kunde. Haben Sie doch selbständig erkannt: die wirtschaftspolitische Bilanz des Gegners ist zu schwach, als daß Sie es hätten riskieren dürfen, seiner Regierungserklärung persönlich sich anzunehmen. Wo doch der Bundestag so überschätzt wird, daß Ihr Auftritt dort Wirkung hätte zeigen können. Und mit welch sicherem Flair für Mitverlierer Sie das allerdings von niemandem unterschätzte Ersatzevent gepickt haben. Was kann wahlkampfferner sein, als im Schaumschlägerambiente der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft lau zu baden!
Und dann diese ledige Ossi-Kindmutter, mit der Sie Ihr Wählerpotential konsequent auf das Merkelspektrum zugeschnitten haben! Die fachliche Inkompetenz ihres Wirtschaftsfuzzis ist ja nicht jedem BILD-Leser auf Anhieb vermittelbar. Dies Manko haben Sie familienpolitisch glänzend gutgemacht.
Weiter so? Die Hauptarbeit dürfte denn doch geschafft sein.